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20. Jul 2012

IW-Konjunkturindex
Wirtschaftsentwicklung: Gewitterwolken am Horizont

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Die deutsche Volkswirtschaft wächst weiter, im nächsten Jahr sogar wieder mit erhöhtem Tempo. Auch unser Wachstumsindex sorgt für eine positive Überraschung. Doch am Horizont ziehen dunkle Wolken auf.

Die deutsche Volkswirtschaft wächst weiter, im nächsten Jahr sogar wieder mit erhöhtem Tempo. So lautet noch immer der Grundtenor der meisten aktuellen Konjunkturprognosen. Aber kein Prognostiker vergisst, besonders eindringlich auf die zentrale Annahmen seines „Basisszenarios“ hinzuweisen: Eine weitere Erholung der Weltwirtschaft und vor allem keine weitere Zuspitzung der Schuldenkrise in der Euro-Zone, was mit unkalkulierbaren Folgen für die weitere wirtschaftliche Entwicklung verbunden wäre. So auch die Deutsche Bundesbank in ihrer im Juni vorgelegten Konjunkturprognose für Deutschland. Um ein Prozent soll das Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr real steigen, im nächsten Jahr sollen es dann 1,6 Prozent sein - aber verbunden mit einem großen „ wenn“. Nämlich nur dann, wenn ansonsten alles gut geht und die Politik es endlich schafft, die Probleme in der Euro-Zone in den Griff zu bekommen.

Der größte anzunehmende Unfall, das Scheitern des Euro, würde alle diese Prognosen gänzlich über den Haufen werfen. Für diesen Fall gehen Szenario-Rechnungen von einer tiefen Rezession für Deutschland und andere Länder aus, die den Absturz der Konjunktur nach der Lehman-Pleite im Herbst 2008 noch deutlich in den Schatten stellen dürfte.

Aber es gibt auch gute Nachrichten, die zu einem kompletten Konjunkturbild auch dazugehören. Der von der EU-Kommission ermittelte Economic Sentiment-Indikator, der die Stimmung der Unternehmen in Europa ermittelt, zeigt zwar für den Juni eine weitere Stimmungseintrübung der Unternehmen in der Euro-Zone an, aber der Rückgang des Indikators fiel weniger stark aus als vielfach erwartet wurde. In den Krisenländern Spanien, Italien und Portugal hat sich die Stimmung sogar aufgehellt. Positive Nachrichten gibt es auch von der Konsumfront. Bislang lassen sich die Konsumenten in Deutschland von der negativen Stimmung nicht anstecken. Im Gegenteil: Die Kauffreude ist zuletzt weiter gestiegen. Sichere Jobs und deutliche Lohnsteigerungen sind dafür vor allem verantwortlich. Und auch bezüglich der Finanzierungsbedingungen für unternehmerische Investitionen kann bislang Entwarnung gegeben werden: Von einer Kreditklemme ist weit und breit nichts zu sehen. Die vom Ifo-Institut monatlich berechnete Kredithürde, die auf einer Umfrage unter Unternehmen beruht, ist im Juni zwar minimal gestiegen, bewegte sich aber weiter auf einem sehr niedrigen Niveau. Zusammen mit dem sehr niedrigen Zinsniveau könnte dies Impulse für unternehmerische Investitionen im weiteren Jahresverlauf freisetzen – ja, wenn es denn gelingt, Fortschritte bei Lösung der Euro-Krise zu erreichen.

Die allgemeine Nervosität und Unsicherheit spiegelt sich im Juni im Arbeitsmarktindex und Wachstumsindex wider.

Der Arbeitsmarktindex: Weiter unter Druck

Konjunkturkurven

Der Arbeitsmarktindex (blaue Linie in der Grafik) geriet im Juni durch die Entwicklung beider Teilindikatoren unter Druck. Im Einzelnen:

Saison- und kalenderbereinigt ist die Zahl der Arbeitslosen im Juni um 7.000 auf 2,882 Millionen Personen gestiegen. Da auch der Mai-Wert nach oben korrigiert wurde, ist die Arbeitslosigkeit nun schon den dritten Monat in Folge angestiegen. Zwar bleiben die Anstiege bisher in einem überschaubaren Rahmen und signalisieren keinesfalls einen Einbruch des Arbeitsmarktes, allerdings zeigt die Entwicklung, dass die Zeiten einer robusten positiven Arbeitsmarktentwicklung wohl vorerst vorbei sind.

Die Entwicklung der Zahl der offenen Stellen bestätigt dieses Bild. Im Juni wurden den Arbeitsagenturen 4.000 weniger offene Stellen gemeldet als noch im Monat zuvor, nach einem Minus von 5.000 Stellen im Mai. Saisonbereinigt geht die Zahl der offenen Stellen nun schon den fünften Monat infolge zurück.

Insgesamt verlor der Arbeitsmarktindex im Juni erneut 0,5 Prozent, wie auch schon in den beiden Monaten zuvor. Der Konjunkturmotor dreht derzeit zu schwach, um dem Arbeitsmarkt Schubkraft zu verleihen.

Der Wachstumsindex: Positive Überraschung

Im Juni sorgt der Wachstumsindex (schwarze Linie oben in der Grafik) für die positiven Überraschungen. Keiner der drei Indikatoren drückt auf die Stimmung. Im Einzelnen:

Der DAX-Performance-Index konnte sich im Juni von den Rückschlägen in den beiden Vormonaten (zusammen -9,8 Prozent) etwas erholen und um 2,4 Prozent zulegen. Die Wahl in Griechenland, die mit einer Niederlage der Linkspartei Syriza endete, und der G20-Gipfel in Los Cabos hatten dem Dax keinen nachhaltigen Schub verliehen, die Impulse reichten allerdings, um den Absturz aufzuhalten.

Unerwartet hat sich die Geschäftslage der Unternehmen im Juni verbessert. Der Ifo-Lage-Index kletterte um 0,7 Punkte oder 0,6 Prozent. Damit korrigierte sich der starke Rückgang im Vormonat (-3,7 Prozent). Erfreulich ist insbesondere, dass die Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes ihre Lage nun wieder besser beurteilen; dies beruht jedoch vor allem auf einer positiveren Beurteilung der Lage durch die Vorleistungsgüterhersteller, während sich die Lage sowohl bei den Investitionsgüter- als auch Konsumgüterherstellern eintrübte. Im Handelsbereich ist das Bild gespalten. Der Einzelhandel meldet eine Verbesserung der Lage, während der Großhandel die Geschäftslage leicht schlechter als im Vormonat bewertete. Weniger erfreulich ist, dass die Unternehmen durchgängig die Geschäftsentwicklung in den nächsten sechs Monaten ungünstiger einschätzen als im Vormonat.

Die Industrieproduktion stieg im Mai saisonbereinigt um 1,8 Prozent und damit unerwartet stark an. Für ein Ausmerzen des Rückschlags aus dem Vormonat (-2,3 Prozent) hat es allerdings nicht ganz gereicht. Diesmal hatten die Konsumgüterproduzenten mit einem Produktionswachstum von 3,8 Prozent die Nase vorn. Aber auch die anderen beiden Bereiche waren deutlich im Plus: Die Vorleistungsgüterhersteller erhöhten ihre Produktion um 1,0 Prozent, die Investitionsgüterproduzenten sogar um 1,7 Prozent. Das IW-Prognose-Modell signalisiert für den Juni eine Industrieproduktion auf dem Mai-Niveau (plus-minus Null).
Insgesamt hat der Wachstumsindex im Juni um 1,3 Prozent zugelegt und damit seine Abwärtstendenz der beiden Vormonate stoppen können.

Vollbeschäftigungskorridor: Aufholjagd nicht in Sicht

Arbeitsmarktindex

Damit ist klar, dass der Arbeitsmarktindex sich im Juni weiter vom unteren Rand des Vollbeschäftigungstrichters entfernt hat. Zur Erklärung: Bleibt der Arbeitsmarktindex im Vollbeschäftigungskorridor, sinkt die Arbeitslosenquote bis zum Jahr 2015 auf zwischen 3 und 4 Prozent.

Da der untere Rand des Trichters selbst um knapp ein Prozent pro Monat wächst, bedarf es, um sich dem Vollbeschäftigungskorridor wieder zu nähern, einer Arbeitsmarktdynamik wie wir sie zuletzt im vierten Quartal 2011 verzeichnen konnten. Für die nächste Zeit sieht es nicht so aus, dass dies gelingen könnte.

Der Wachstums- und Arbeitsmarktindex sind Bestandteil des Deutschland-Checks, eine monatlich erscheinende Dauerstudie der INSM und der WirtschaftsWoche. Insgesamt besteht der Deutschland-Check aus drei Teilen: Die Entwicklung von Wachstum und Beschäftigung, einer Beurteilung neuer Gesetze und einer Umfrage unter Wirtschaftsexperten, Arbeitnehmern und Arbeitgebern.