Stefan Fritz Wie aus Arbeitnehmern Teilhaber werden
Mitarbeiter können auf ganz unterschiedlichen Ebenen am arbeitgebenden Unternehmen beteiligt werden. Eine Einführung in die Mitarbeiterbeteiligung.
Grundsätzlich ist auf einer ersten Stufe eine Beteiligung auf materieller Ebene von einer immateriellen Beteiligung zu unterscheiden. Letztere kann z.B. dadurch umgesetzt werden, dass Beschäftigte in Meinungsbildungs- oder Entscheidungsprozesse einbezogen werden. Beispiele hierfür sind die Durchführung von Mitarbeiterbefragungen oder die Einbindung der Beschäftigten in kontinuierliche Verbesserungsprozesse (KVP).
In materieller Hinsicht sind die Erfolgs- von der Kapitalbeteiligung zu unterscheiden. Im Rahmen der Erfolgsbeteiligung fließen den Beschäftigten variable Vergütungsanteile zu, die somit das fixe Entgelt des Mitarbeiters ergänzen. Im Gegensatz dazu wird eine Kapitalbeteiligung aus Einlagen aus dem Mitarbeitervermögen gespeist, die vom Unternehmen verzinst werden oder auf die eine Dividende ausgeschüttet wird.
Mit der Einführung von Modellen der Erfolgs- und Kapitalbeteiligung werden in der Regel umfangreiche Erwartungen verbunden. Die an das Modell von Arbeitgebern wie Arbeitnehmer gestellten Ansprüche sind im Vorfeld zu ermitteln und deren Bedeutung für die Betroffenen zu evaluieren.
Die Grafik zeigt, welche Intentionen gemeinhin mit Kapitalbeteiligungen verbunden werden: Weitestgehend (mit Ausnahme des Effektes „Stärkung der Eigenkapitalposition“ oder „Senkung der Steuer- und Sozialversicherungslast“) ist der Katalog von Effekten auch auf die Erfolgsbeteiligung übertragbar.
Besondere Aufmerksamkeit kommt in der Praxis den Faktoren Eigenkapitalaufbau, Mitarbeitergewinnung und -bindung zu. Zeitweise besteht auch das Bestreben, über Mitarbeiterbeteiligung die Unternehmensnachfolge zu regeln. Dieses Thema erweist sich jedoch erfahrungsgemäß als problematisch und erfordert eine sehr langfristig orientierte und gezielte Modellgestaltung.
Oft unterschätzt wird die Außenwirkung einer Mitarbeiterbeteiligung. Firmen, die ihr Beteiligungsmodell aktiv im Rahmen der Gewinnung neuer Mitarbeiter oder im Kundendialog bewerben, machen damit im Allgemeinen gute Erfahrungen. Stellenbewerber legen mehr und mehr ein Gewicht auf die partnerschaftliche Ausrichtung des zukünftigen Arbeitgebers; Kunden schätzen die in der Regel höhere Einsatzbereitschaft beteiligter Mitarbeiter des Auftragnehmers.
Aufgrund der vielfältigen Effekte zeigt sich in der Summe, dass materielle Beteiligungsmodelle eine sehr hohe Breitenwirkung erzeugen können. Daher ist auch nicht verwunderlich, dass bereits mehrere wissenschaftliche Untersuchungen belegten, dass Beteiligungsunternehmen im Mittel produktiver sind als die Konkurrenz. So ermittelte z.B. das IAB im Jahr 2000, dass die Bruttowertschöpfung pro Beschäftigtem in Westdeutschland in Beteiligungsunternehmen € 63.000, in Nicht-Beteiligungsunternehmen dagegen nur € 40.000 beträgt. In Ostdeutschland liegen die Vergleichszahlen bei € 40.000 und € 28.500. (Quelle: Möller, Iris: "Produktivitätswirkung von Mitarbeiterbeteiligung“ in: Mitteilungen aus der Arbeitsmarkt und Berufsforschung, Nr. 33, Jahrgang 2000, S. 565-582).
Grundsätzlich kann eine Beteiligung am Erfolg oder Kapital aber nur dann voll zur Geltung kommen, wenn sie sich auf dem Fundament immaterieller Komponenten im Rahmen einer partnerschaftlichen Unternehmensführung stützen kann.
Trotz der diversen positiven Effekte, die eine Mitarbeiterbeteiligung mit sich bringt, ist ihr Verbreitungsgrad noch immer begrenzt. 9% der Betriebe in Deutschland praktizieren nach Untersuchungen des IAB im Jahre 2005 eine Erfolgsbeteiligung; nur 2% haben dagegen bisher eine Beteiligung am Kapital umgesetzt. Diese Diskrepanz ist im Wesentlichen auf diverse Vorurteile zurückzuführen, die gegenüber der Kapitalbeteiligung bestehen.
Für die Verbreitung von Erfolgs- und Kapitalbeteiligungsmodellen zeigt sich, dass die Akzeptanz mit steigender Betriebsgröße zunimmt. Gleichzeitig ist die Verbreitung von Beteiligungsmodellen in Westdeutschland höher als in den neuen Bundesländern (Quelle: Bellmann, Lutz und Leber, Ute: „Materielle Mitarbeiterbeteiligung: Geringe Verbreitung, aber hohe Intensität“, in: IAB Kurzbericht Nr. 13, Ausgabe 02.08.2007).
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