Steuern & Finanzen Fragen und Antworten zum Thema Inflation

Hintergrund: Wie ist der Begriff Inflation eigentlich definiert? Wie wird Inflation gemessen? Was verbirgt sich hinter den Begriffen Nachfrage- und Angebotsinflation? Welche Wirkungen können anhaltende Preissteigerungen haben? Wir geben Antworten auf die wichtigsten Fragen.

  • Wie ist der Begriff Inflation definiert?

    Als Inflation bezeichnet man den anhaltenden Anstieg des Preisniveaus in einer Volkswirtschaft. Dabei ist es üblich, nur Preissteigerungen von einer gewissen Dauer als Inflation anzusehen. Ein saisonaler Preisanstieg gilt also nicht als Inflation. 

  • Wie wird die Inflation gemessen?

    In Deutschland wird die Inflation durch den Verbraucherpreisindex (früher: Preisindex der Lebenshaltung) gemessen. Er gibt die durchschnittliche Preisentwicklung aller Waren und Dienstleistungen an, die von privaten Haushalten für Konsumzwecke gekauft werden, und gilt als Inflationsrate. Mit diesem Index wird die Veränderung der Preise für Güter des täglichen Bedarfs (zum Beispiel Lebensmittel, Bekleidung), für Mieten und langlebige Gebrauchsgüter (zum Beispiel Autos, Kühlschränke), aber auch für Dienstleistungen (zum Beispiel Friseur, Reinigung, Versicherungen) umfassend abgebildet. Die Gewichtung dieser Güter geschieht auf der Basis eines so genannten "repräsentativen Warenkorbs". Das Statistische Bundesamt berichtet monatlich über die Entwicklung der Verbraucherpreise bzw. des Verbraucherpreisindexes. 

  • Was versteht man unter wahrgenommener Inflation?

    Die amtlich festgestellte Teuerung kann von der subjektiven Inflationswahrnehmung der Bürger abweichen. Hierfür gibt es im Wesentlichen drei Gründe. Erstens werden Preissteigerungen höher bewertet als Preissenkungen. Zweitens prägt es sich besonders in das Bewusstsein ein, wenn häufig gekaufte Produkte teurer werden. Und drittens vergleichen die Konsumenten die aktuellen Güterpreise nicht immer mit den Preisen von genau vor einem Jahr, sondern oft auch mit Preisen, die weiter als ein Jahr zurückliegen. Das Statistische Bundesamt hat mittlerweile einen "Index der wahrgenommenen Inflation" entwickelt. Zur Zeit der Euro-Umstellung lag die "gefühlte" Inflation beispielsweise deutlich über der offiziellen Teuerung. 

  • Was bedeuten die Begriffe schleichende und galoppierende Inflation?

    Je nach Höhe der Preissteigerung werden verschiedene Arten der Inflation unterschieden: schleichende, galoppierende oder auch Hyperinflation. Eine exakte Abgrenzung gibt es nicht. Eine Hyperinflation liegt jedoch nach allgemeiner Auffassung dann vor, wenn die monatliche Preissteigerungsrate 50 Prozent und mehr beträgt. Die deutsche Inflation der Jahre 1919 bis 1923 ist ein Beispiel für eine Hyperinflation. Sie erreichte im Oktober 1923 eine monatliche Inflationsrate von 32.000 Prozent. 

  • Was verbirgt sich hinter den Begriffen Nachfrage- und Angebotsinflation?

    Dahinter verbergen sich Ansätze zur Erklärung der Inflation. Der Theorie der Nachfrageinflation zufolge werden Preissteigerungen durch eine überhöhte Nachfrage nach Gütern und Leistungen ausgelöst. Das heißt: Die gesamtwirtschaftlichen Nachfrage ist höher als das mit den bestehenden Produktionskapazitäten erzeugbare oder aus dem Ausland beschaffbare Angebot. Die Nachfrageinflation kann von den privaten Haushalten, vom Staat, von den Unternehmen oder vom Ausland (importierte Inflation) ausgehen.

    Bei der Angebotsinflation gehen die Preissteigerungen von der Angebotsseite aus. Dabei wird gewöhnlich zwischen Lohnkostendruck-Inflation und Gewinndruck-Inflation unterschieden. Der Lohnkostendruck-Ansatz geht davon aus, dass auf jede Welle der Lohnerhöhung eine Welle der Preiserhöhung folgt (Lohn-Preis-Spirale). Voraussetzung: Die von den Gewerkschaften durchgesetzten Lohnsteigerungen übertreffen den Produktivitätsfortschritt und die Unternehmen können die höheren Kosten auf die Preise überwälzen. Der Ansatz der Gewinndruck-Inflation geht davon aus, dass im Produktionsbereich monopolistische und oligopolistische Strukturen dominieren. Die Unternehmen sind demzufolge aufgrund ihrer Marktmacht in der Lage, die Preise so festzusetzen, dass sie den von ihnen gewünschten Gewinn durchsetzen können. Der Gewinn wird zum Bestimmungsgrund für die Preise. 

  • Wie erklären die so genannten Monetaristen die Inflation?

    Der Begriff Monetarismus steht für eine Position in der Wirtschaftstheorie sowie in der Wirtschaftspolitik, nach der die Regulierung der Geldmenge die wichtigste Stellgröße zur Steuerung des Wirtschaftsablaufes darstellt. Eine zu starke Ausdehnung der Geldmenge führt demnach zu Inflation, eine zu starke Bremsung des Geldmengenwachstums zu Deflation (sinkendes Preisniveau). Die monetaristische Erklärung der Inflation steht nicht fundamental im Widerspruch zu den Ansätzen der Nachfrage- und Angebotsinflation. 

  • Wann liegt eine Stagflation vor?

    Bei dem Begriff handelt es sich um ein Kurzwort aus Stagnation und Inflation. Er beschreibt eine Situation, in der die Wirtschaft nicht wächst und gleichzeitig Inflation und Unterbeschäftigung herrschen. Als Hauptursache wird die Unvereinbarkeit von Verteilungsansprüchen und Inlandsprodukt gesehen. Steigen beispielsweise die Rohölpreise, so schränkt dies die inländischen Verteilungsspielräume ein. Beharren die gesellschaftlichen Gruppen (Unternehmen, Gewerkschaften) trotzdem auf ihren Ansprüchen und sind in der Lage, entsprechende Lohn bzw. Preisforderungen durchzusetzen, kann es zu einem Anstieg des inländischen Preisniveaus sowie zu einem Rückgang von Produktion und Beschäftigung kommen. 

  • Welche Wirkungen hat Inflation?

    Die Wirkungen von Inflation sind Gegenstand umfangreicher wissenschaftlicher Abhandlungen und füllen ganze Lehrbücher. Dabei wird das Thema zum Teil sehr kontrovers diskutiert. Kaum auszurotten ist beispielsweise die irrige Vorstellung, durch eine inflatorische Wirtschaftspolitik ließen sich Wachstum und Beschäftigung steigern. Tatsächlich belegen die zurückliegenden Erfahrungen und seriöse theoretische Analysen, dass das Gegenteil zutrifft.

    Zudem bewirkt Inflation verschiedene negative Umverteilungseffekte. So zählen abhängig Beschäftigte und Empfänger von staatlichen Sozialleistungen in der Regel zu den Verlierern der Inflation. Die größte Umverteilungswirkung hat die Inflation zwischen Gläubigern und Schuldnern sowie zwischen Geld- und Sachvermögensbesitzern. Bei Preissteigerungen profitiert der Schuldner und verliert der Gläubiger, weil der reale Wert der Schuld (Forderung) mit zunehmender Inflationsrate und Zeitdauer abnimmt. Auch die Inhaber von Finanzvermögen verlieren, weil die Inflation ebenfalls an ihrer Substanz zehrt. Nicht von ungefähr ist bei hoher Inflation eine "Flucht in die Sachwerte" zu beobachten. Schließlich kann auch der Staat Inflationsgewinnler sein, und zwar nicht nur als Schuldner, sondern vor allem als Folge des Steuersystems. Steigen die Einkommen im Ausmaß der Inflationsrate, so bleiben die Realeinkommen der Arbeitnehmer unverändert. Im herrschenden System der Einkommensbesteuerung werden jedoch infolge der Progressionswirkung die nominal höheren Einkommen prozentual mit einer höheren Steuer belastet. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von "kalter Progression". 

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