Steuern & Finanzen Globale Inflationsrisiken
Zu Jahresbeginn 2011 sorgen sich die Menschen wie bereits im Sommer 2008 um einen drohenden Inflationsschub. Anlass sind weltweit steigende Preise - vor allem für Rohstoffe. Verschärft hat sich ein weiteres Risiko: die in Folge der zurückliegenden Wirtschaftskrise massiv gestiegenen Staatsschulden.
Der Alarmruf des Deutsche Bank-Chefvolkswirtes
Deutsche Bank-Chefvolkswirt Thomas Mayer glaubt, dass die Inflation in Deutschland im Jahr 2011 "Richtung vier Prozent" gehen könnte. Mayer: Eine auf globaler Ebene zu lockere Geldpolitik treibt die Preise für Güter." Das schreibt er in einem Beitrag für das Nachrichtenmagazin "Focus" vom 7. Februar 2011. Im Zentrum des dieser Entwicklung sieht Mayer die amerikanische Zentralbank (FED). Diese setze alles daran, Wachstum und Beschäftigung wieder anzukurbeln und nehme dabei das Risiko einer Inflation bewusst in Kauf.
Vor allem in Schwellenländern, die ihre Währungspolitik stark am Dollar ausrichten, wirkt das wie eine Dominoeffekt. Sie importieren Inflation. Preise und am Ende auch Löhne steigen. Das wiederum führt zu höheren Weltmarktpreisen für Rohstoffe und Agrarprodukte. Die produzierenden Unternehmen in den Industrieländern legen diese höheren Einkaufspreise auf die Verkaufspreise ihrer Waren um.
12 Prozent mehr mussten die Deutschen Ende 2010 für Einfuhren aus dem Ausland zahlen als noch Ende 2009. Der Preis für Baumwolle beispielsweise hat sich verdreifacht, so das Focus Magazin in einem Inflationsreport vom Februar 2011. Auch Rohöl war zu Beginn 2011 etwa ein Drittel teurer als noch vor einem halben Jahr.
Eine im Aufschwung steigende weltweite Nachfrage nach Rohstoffe und Energie dürfte die Preise auf hohem Niveau verharren oder gar weiter steigen lassen.
Hinzu kommt, dass die Inflation in Schwellenländern wie Indien deutlich höher ist als in den Industrieländern. Das könnte neben dem Baumwollpreis-Hoch auch die Herstellungspreise steigen lassen – beispielsweise die von kostengünstiger Kleidung.
Damit importiert Deutschland Inflation von außen.
Gefahren durch eine neue Lohn-Preis-Spirale?
- Steigenden Kosten für Nahrungsmittel und Energie treiben zu Beginn des Jahres 2011 wie schon 2008 die Preise.
In den 70-er Jahre erlebte die Bundesrepublik eine rapide sich drehende Lohn-Preis-Spirale. Steiegende Energiekosten hatten die Inflation auf 7 Prozent getrieben (1973). Das rief die Gewerkschaften auf den Plan. Sie forderten hohe Lohnzuwächse als Ausgleich für die Arbeitnehmer. Im öffentlichen Dienst beispielsweise erkämpfte die ÖTV 11 Prozent Einkommenszuwachs. Die Unternehmen legten die höheren Personalkosten auf die Verbraucherpreise um. Im Ergebnis stiegen die Preise im Schnitt der Jahre 1970 bis 75 um mehr als 30 Prozent.
Derzeit (Anfang 2011) stehen Lohnforderungen bis zu sieben Prozent im Raum. Experten wie Professor Winfried Fuest raten in dieser Lage dazu, die Produktivitätsgewinne der Unternehmen im Aufschwung nicht auszuschöpfen. Die deutsche Industrie beispielsweise hat bei der Bruttowertschöpfung zum Jahreswechsel das Vorkrisenniveau noch nicht wieder erreicht. Die Gewerkschaften hätten, so Fuest, aber aus den Erfahrungen der 70er Jahre gelernt.
Auch für Europa keine Entwarnung in Sachen Inflation
So beruhigend diese Aussage auf manchen auch wirken mag. Es gibt keine Entwarnung in Sachen Inflation. Denn nicht nur äußere Umstände sorgen für Gefahr, sondern auch hausgemachte Probleme. In einem beispiellosen Kraftakt haben die Staaten der Euro-Zone einen "Rettungsschirm" für notleidende Staaten aufgespannt, der astronomische Bürgschaften und andere Verpflichtungen enthält. Nach SPIEGEL-Informationen vom 12. Februar 2011 soll ein permanenter Euro-Rettungsschirm Hilfsgelder in Höhe von einer halben Billion Euro umfassen.
Bereits seit längerem warnen bedeutende Ökonomen wie Professor Hans-Werner Sinn, dass dieser europäische Transfer-Mechanismus ein Fass ohne Boden werden kann.
In jedem Fall birgt dies massive mittelfristige Inflationsrisiken auch für das EURO-Land-Deutschland, so IW-Ökonom Fuest.
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