INSM-Dossier Finanzkrise

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Friedmann vs. Keynes

Die Nachfrageorientierte Politik von Keynes ist wieder in aller Munde. Sein ewiger Widersacher Milton Friedman ist im Hintertreffen. Aber was wollten beide wirklich?

  • 16. Juni 2009
Milton Friedman (1912-2006): Der Staat soll sich aus der Wirtschaft raushalten."
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Milton Friedman (1912-2006): Der Staat soll sich aus der Wirtschaft raushalten."
Milton Friedman (1912-2006): Der Staat soll sich aus der Wirtschaft raushalten."

Wer aber von Keynes und Friedman spricht, sollte auch mit deren Theorien vertraut sein und wie sie auf die heutige Zeit anzuwenden sind. Keynes Hauptwerk erschien 1936 und trug den bescheidenen Titel „Allgemeine Theorie der Beschäftigung, des Zinses und des Geldes“. Der 1883 geborene Brite stellte die These auf, der Staat müsse die Konjunktur ankurbeln, wenn die privaten Haushalte als Nachfrager ausfallen. Keynes begründete das mit der berühmten Liquiditätsfalle.
Die haben seine Nachfolger anhand des IS-LM-Modells veranschaulicht, das jeder Volkswirtschaftsstudent beherrschen muss. Die Grundaussage lautet: Es gibt Zeiten, in denen eine erhöhte Geldmenge trotz Zinsen nahe Null nicht in die Wirtschaft fließt, etwa weil die Bürger das Geld lieber unter dem Kopfkissen verstecken oder, wie aktuell, die Geschäftsbanken die erhöhte Liquidität nicht weitergeben. Dann, so Keynes müsse der Staat eingreifen und seinerseits die Nachfrage erhöhen.
Seitdem beruft sich jeder Politiker, der die Konjunktur ankurbeln will auf Keynes. Kuriose Seitennote: Der bisher größte Schuldenmacher der US-Geschichte war Theodore Roosevelt. Der begann mit seinem „Deficit Spending“ aber 1933, also drei Jahre bevor Keynes Werk erschien. Spätestens in den Achtziger Jahren kam seine Theorie so richtig außer Mode. Politiker versuchten nach der Ölkrise in den siebziger Jahren durch massive Erhöhung der Staatsausgaben die Konjunktur anzukurbeln. Übrig blieben nichts als Schuldenberge, die anders als von Keynes gewollt, in guten Zeiten nicht zurückgeführt wurden.
Die Angebotstheoretiker der Neo-Klassik allen voran Milton Friedman bekamen Oberwasser. Sie konstatierten: Staatliche Fiskalpolitik ist mehr oder weniger unwirksam und vor allem teuer. Der Staat sollte sich aus dem Marktgeschehen so weit wie möglich heraushalten und
vor allem für gute Angebotsbedingungen, wie niedrigere Steuern, offene Märkte sowie flexible Löhne und Preise sorgen. Politiker wie Margaret Thatcher und Ronald Reagan führten ihre Länder mit dieser Politik aus der Krise und beim Wachstum an die Spitze der westlichen Welt. Deutschland zog erst im aktuellen Jahrtausend nach. 

John Maynard Keynes (1883-1946): Der Staat muss die Rolle als Nachfrager übernehmen.
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John Maynard Keynes (1883-1946): Der Staat muss die Rolle als Nachfrager übernehmen.

Obskures Comeback
Die Finanzkrise spült jetzt die Keynesianer wieder nach oben, weil das Ungemach auf Marktversagen zurückgeführt wird. Abgesehen davon, dass es im wesentlich das Versagen der staatlich gesteuerten Notenbanken war das zu der Krise geführt hat, bedeuten die Probleme ja noch lange nicht, dass die von der Realität widerlegten Theorien von Keynes plötzlich richtig sind. Ironie der Geschichte: Ausgerechnet Keynes Erzfeind Milton Friedman hatte den Schlüssel in der Hand wie die aktuelle Krise zu vermeiden gewesen wäre.
Für Friedman stand nicht die Steuerung der Nachfrage im Mittelpunkt, sondern die der Geldmenge. Wächst diese stärker als die Wirtschaft kommt es zu Preissteigerungen. „Inflation ist immer und überall ein monetäres Phänomen“, postulierte Friedman. Daher sollte die Notenbank die Geldmenge mit jener Rate wachsen lassen, die dem realen Wirtschaftswachstum entspricht. Dafür bräuchte man nicht einmal eine Zentralbank, sondern lediglich einen Computer. In der Praxis scheiterte der Ansatz, weil auch im privaten Geldsektor Geld durch Kreditvergabe geschöpft wurde. Das Scheitern Friedman anzulasten wäre aber falsch. Er verlangte einen Mindestreservesatz von 100 Prozent. Das heißt, Banken hätten sämtliche Einlagen ihrer Kunden bei der Zentralbank hinterlegen müssen. Damit hätten Sie keine Giralgeldschöpfung betreiben können. Müssten die Banken das Geld, das ihnen anvertraut wurde, vorhalten, könnten sie es auch jederzeit an ihre Kunden auszahlen. Keine Bank müsste vor einem Ansturm ihrer Kunden Angst haben. Es gäbe auch keinen Grund, Banken zu retten, weil die Kundeneinlage sicher bei der Zentralbank lagern. Automatisch würden die Eigentümer von Banken die Managergehälter nicht nach dem kurzfristigen Erfolg ausrichten. Denn wenn der Manager zu viele Risiken einginge, wäre die Bank pleite.

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