Wachstumsthese 3 Wachstum braucht Investitionen in Menschen und Maschinen
Eine Volkswirtschaft wächst dann, wenn mehr Güter und Dienstleistungen produziert werden. Dies kann erreicht werden, indem auf der einen Seite mehr gearbeitet oder je Arbeitsstunde mehr produziert wird. Mehr Produktivität ist erreichbar durch modernere und damit produktivere Produktionsmittel. Dafür braucht es Investitionen.
- Mehr Produktivität durch modernere Produktionsmittel.
Deutschland muss deshalb für in- und ausländische Investoren attraktiv sein. Ausländische Unternehmen haben in Deutschland zwischen 1995 und 2004 rund 370 Milliarden Euro investiert. Damit liegt die Bundesrepublik weit hinter den USA, die im selben Zeitraum 1394 Milliarden Euro anzogen.
Im globalen Wettbewerb sind für Investitionsentscheidungen internationaler Unternehmen Größen wie "Arbeitskosten" oder auch die Gesamtsteuerlast für Unternehmen wichtig. Bei den Arbeitskosten ist nur Dänemark teurer als Deutschland. Ein westdeutscher Durchschnittsarbeitnehmer im verarbeitenden Gewerbe kostet sein Unternehmen inklusive Personalzusatzkosten 27,87 Euro pro Stunde. Zum Vergleich: In Großbritannien kostet er lediglich 20,47 Euro, in den Vereinigten Staaten sind es 19,27 Euro. Hauptverantwortlich für diese Unterschiede sind die vor allem in Deutschland West sehr hohen Personalzusatzkosten. Verglichen mit anderen Industrieländern liegt die Bundesrepublik unter den Industrieländern immer noch weit vorn (Grafik).
Ob Investoren in einem Land Unternehmen errichten und damit die Chance auf neue Arbeitsplätze und mehr Wachstum eröffnen, hängt untrennbar mit den Gewinnen zusammen, die sie in einem Land zu erwarten haben. Im internationalen Vergleich stellte sich die Lage bislang wie folgt dar: Von je 100 Euro einbehaltenem Gewinn musste eine deutsche Kapitalgesellschaft im Jahr 2004 je 39 Euro an den Fiskus abführen. In der Schweiz waren es nur 25 Euro. Länder wie Holland, Dänemark und Italien bewegen sich zwischen 34,5 und 33 Euro. Ob und inwiefern die im November geplante Unternehmenssteuerreform hier Verbesserungen bringt, hängt noch sehr stark von deren endgültiger Ausgestaltung ab.
Defizite gibt es in Deutschland auch beim Grad der wirtschaftlichen Freiheit. Nach dem Urteil des kanadischen Fraser-Instituts steht die Bundesrepublik vor allem wegen ihres stark regulierten Arbeitsmarktes und hoher staatlicher Transfers schlechter da als Länder wie die USA, die Schweiz, Großbritannien, Holland oder Österreich. Hier liegen Verbesserungspotenziale, um Deutschland als Investitionsstandort attraktiver zu machen.
Mehr investieren muss Deutschland auch in die Bildung. Schweden gibt rund 6,9 Prozent seines Bruttoinlandsproduktes für Bildung aus, in Deutschland sind es nur 5,3 Prozent. Noch deutlicher werden die deutschen Defizite bei den staatlichen und privaten Gesamtausgaben für die Hochschulen: Die USA liegen hier mit 2,6 Prozent des BIP vorn. In Schweden liegt der Anteil bei 1,8 Prozent, Deutschland kommt gerade auf 1,1 Prozent.
Wie erfolgreich es sein kann, bildungspolitisch in die Offensive zu gehen, zeigte das in der INSM-Studie Vision D. analysierte Beispiel Schwedens. Seit 1994 hat Schweden konsequent in den Bildungssektor investiert, in den Folgejahren stieg die Zahl der Studienplätze an den Universitäten. Besondere Förderung erfahren die Bereiche Medizin, Technik und Naturwissenschaften. In dieser Zeit entstanden in Partnerschaft zwischen Wirtschaft und Staat auch Stiftungen, die sich vor allem mit Grundlagenforschung beschäftigen. Schwedens Hitech-Konzerne in der Auto-, Stahl- und Telekommunikationsbranche können auf eine höhere Zahl hoch Qualifizierter zurückgreifen als vergleichbare Unternehmen in Deutschland. Der Anteil von Hochschulabsolventen in der Bevölkerung ist in Schweden deutlich höher als in Deutschland (siehe Grafik). Weil in Schweden konsequent auf Bildung gesetzt wurde, konnte das Land besonders stark vom technischen Fortschritt und der Entwicklung der Neuen Märkte profitieren und lag bei den Wachstumsraten in der zweiten Hälfte der 90er Jahre deutlich vor Deutschland.
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