Leitartikel Mehr Wachstum schafft Wohlstand für alle!
Mit einer unerwartet robusten Konjunktur hat Deutschland in diesem Jahr die Wachstumsprognosen vieler Institute und Organisationen übertroffen.Die meisten Prognosen mußten auch für das zurückliegende Jahr angehoben werden. Mit 2,7 Prozent wuchs die deutsche Wirtschaft 2006 zum ersten Mal seit sechs Jahren schneller als Japan.
Und in diesem Jahr überflügelt die deutsche Wirtschaft in ihrem Wachstumstempo vielleicht sogar die amerikanische. Auch auf dem Arbeitsmarkt hat das Wirtschaftswachstum seine Spuren hinterlassen. Endlich! Was sind die Gründe für das augenblickliche Wachstum?

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- Deutsche Wirtschaft überflügelt amerikansiche Wirtschaft
- Grafik: Veränderungen des realen Bruttoinlandsprodukts (1991=100) in Deutschland, den USA und der Welt
Vor einem Jahr war das Weltbild des Deutschen Gewerkschaftsbundes noch intakt: "Ein sich selbst tragender Aufschwung setzt eine höhere Kaufkraft der Arbeitnehmer voraus", zitierte das DGB-Organ "Einblick" den DGB-Wirtschaftsweisen Peter Bofinger. Und für viele Laien klang er vor einem Jahr auch irgendwie logisch: "Der Versuch, über eine sehr zurückhaltende Lohnpolitik mehr Beschäftigung zu erreichen, ist eindeutig gescheitert."
Doch jetzt haben auch die letzten Kaufkraft-Theoretiker ein Problem: Es gibt trotz insgesamt weitgehend stagnierender Reallöhne einen Beschäftigungsschub: Durch moderate Lohnrunden "haben wir im internationalen Vergleich über Jahre mühsam Wettbewerbsvorteile zurückgewonnen", erklärt Bundesbank-Präsident Axel Weber. Das generiert Export, Investitionen und letztlich auch Kaufkraft: "Mehr Menschen in Beschäftigung zu bringen", so Weber, "stärkt den Konsum nachhaltiger als kräftige Lohnsteigerungen."
Der Impuls ging dabei im Jahr 2004 vom Export aus; fast gleichzeitig begannen die Unternehmen, mehr in Ausrüstungen zu investieren. Langsamer als üblich sprang der Funke dann erst im vergangenen Jahr auf die Binnenwirtschaft über und hat heute auch den Arbeitsmarkt erreicht.
Nach einer Studie des Internationalen Währungsfonds (IWF) gründet sich das derzeitige "Wirtschaftswunder" überwiegend auf zwei Faktoren: dem globalen Aufschwung, der die Nachfrage auf den klassischen deutschen Exportmärkten beflügelte, und der Verlagerung von Teilen der Produktion in benachbarte osteuropäische Niedriglohnländer, die den Unternehmen in Deutschland Kostenvorteile verschaffte. In der Kombination beider Gründe haben es die deutschen Unternehmen geschafft, mehr als andere Länder von der starken Weltkonjunktur zu profitieren. Der Aufschwung hat also seine Ursachen nicht zuletzt in den Bemühungen der Unternehmen, durch die Nutzung der internationalen Arbeitsteilung und den Bezug von Vorprodukten aus dem Ausland die eigene Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern. Die Lohnzurückhaltung bewirkte durch die Kostendisziplin die Sanierung der Unternehmensbilanzen und ermöglichte Gewinnsteigerungen, die zur Basis für den jetzigen Investitionsaufschwung wurden. Änderungen in der Steuergesetzgebung kommen ebenso hinzu wie der über Jahre sehr niedrige Leitzins der Europäischen Zentralbank, der den Unternehmen die Gesundung erleichterte.
In der Diskussion um die Ursachen für den Aufschwung steht die Lohndisziplin im Mittelpunkt. Die gewerkschaftsnahen Ökonomen des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung beklagen, dass die Lohnzurückhaltung die gesamtwirtschaftliche Nachfrage geschwächt habe, was die Exportlastigkeit und die Zögerlichkeit der wirtschaftlichen Erholung erkläre. Ökonomen der Bundesbank etwa sehen dies gelassener und verweisen darauf, dass die vergleichsweise niedrigen Lohnsteigerungen maßgeblich dafür verantwortlich seien, dass Deutschland gegenüber den Partnern im Euro-Raum Wettbewerbsvorteile erlangte. Die deutschen Lohnstückkosten entwickeln sich seit Jahren weitaus langsamer als in den übrigen Euro-Staaten. Sie sind sogar gesunken, so dass Deutschland im Währungsraum Marktanteile gewinnen konnte. Der damit erreichte Aufschwung begünstigt nun über die steigende deutsche Einfuhr wiederum die anderen Euro-Staaten und führt zu Neueinstellungen. Das Institut für Weltwirtschaft (IfW) leitet daraus ab, dass die Lohnzurückhaltung vor dem Hintergrund der strukturellen Massenarbeitslosigkeit die Konjunktur direkt anschob.
Umstritten ist, ob die Reformen am Arbeitsmarkt zum Aufschwung beitrugen. Die deregulierenden Erleichterungen der Zeitarbeit und der Mini-Jobs dürften die wirtschaftliche Erholung begünstigt haben, weil Unternehmen flexibler auf Nachfragespitzen reagieren können. Auch haben die Ich-AGs die selbständige Erwerbstätigkeit gefördert. Wichtig für den Arbeitsmarkt war die Hartz-IV-Reform, mit der seit 2005 die Lohnersatzleistungen beschnitten und der Druck zur Arbeitsaufnahme erhöht wurde. Das Kieler IfW wagt die Feststellung, dass Hartz IV die Anspruchslöhne der Arbeitslosen gesenkt hat und so zur allgemeinen Lohnzurückhaltung beitrug. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit schreibt dagegen, es gebe noch keine systematische Evidenz, dass geringere Lohnersatzleistungen den Druck zur Beschäftigungsaufnahme erhöht hätten.
Weltweit rechnet der IWF auch für 2007 mit rund 5 Prozent Wirtschaftswachstum. In den sechziger und siebziger Jahren galt dies auch für die BundesrepubIik. "Heute werden Werte über 2 Prozent von der Politik bereits als "Durchbruch" gefeiert. Daher sind durch weitere Reformen die Weichen für mehr Wachstum und Beschäftigung zu stellen um die Bundesrepublik hier wieder auf die vorderen Plätze zu hieven." (Zitat: Professor Winfried Fuest, IW Köln). Wie weit Deutschland im internationalen Vergleich hinterhinkt; wird im längerfristigen Vergleich noch deutlicher.
Lesen Sie mehr in den Wachstumsthesen
- Wachstumsthese 1: Für mehr Jobs muss Deutschland seinen Arbeitsmarkt flexibler machen.
- Wachstumsthese 2: Unterm Strich bringt mehr Wachstum mehr soziale Sicherheit für alle.
- Wachstumsthese 3: Wachstum braucht Investitionen in Menschen und Maschinen.
- Wachstumsthese 4: Damit die Volkswirtschaft wachsen kann, muss der Staat sparen.
INSM
Das Reformportal


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