Soziale Marktwirtschaft Zwei Gerechtigkeits-Prinzipien
Bei der Frage der Generationengerechtigkeit lassen sich grundsätzlich zwei "Gerechtigkeits"-Prinzipien unterscheiden: Die Gerechtigkeit zwischen den Generationen, also zwischen den "Alten" und den "Jungen" und die Gerechtigkeit innerhalb der Generationen, das heißt zwischen "Arm" und "Reich".
Die grundlegenden Menschenrechte haben beispielsweise Gerechtigkeit innerhalb der gegenwärtigen Generation zum Ziel. Gerechtigkeit zwischen den Generationen meint dagegen, dass wir nicht auf Kosten unsere Enkel und Urenkel leben: Die Chancen nachrückender Generationen auf Befriedigung ihrer eigenen Bedürfnisse müssen mindestens so groß sein wie die der vorherigen Generationen. Das Thema Generationengerechtigkeit sensibilisiert also dafür, dass Ungleichheit nicht nur zwischen Arm und Reich, Oben und Unten, Mann und Frau herrscht, sondern auch zwischen Alt und Jung.
Dies gilt etwa für die ungleichen Chancen auf dem Arbeitsmarkt (Altersdiskriminierung, hohe Jugendarbeitslosigkeit) oder bei der staatlichen Alterssicherung in Deutschland. Es ist ungerecht, wenn der Jahrgang 1925 für die gestzliche Pflegeversicherung kaum Beiträge entrichtet hat, während der Jahrgang 1985 für dieselbe Leistung jahrzehntelang wachsende Beitrage zahlen muss. Hauptursache für die Verteilungsungerechtigkeit zwischen Alt uind Jung ist die demographische Entwicklung in Deutschland. Die Bevölkerung altert drastisch. Die Folge ist, dass die Ausgaben in jenen Zweigen des sozialen Sicherungssystems expandieren, die auf den Ausfall des Erwerbseinkommens im Alter zugeschnitten sind (Renten) oder die primär im Alter auftretende Risiken absichern (Pflegeversicherung, Gesundheitswesen). Wir stellen mittlerweile sechsmal mehr finanzielle Mittel für unsere Sozialausgaben bereit als für unser Bildungssystem und damit für Investitionen in unsere eigene Zukunft. Das heißt: Unser Land gibt seit Jahrzehnten mehr Geld aus für die Verhinderung des sozialen Abstiegs, als für die Ermöglichung des sozialen Aufstiegs durch Bildung.
Die Frage der Generationengerechtigkeit stellt sich besonders in der Rentenpolitik. Einer wachsenden Zahl älterer Menschen steht eine immer kleiner werdende Zahl von Rentenbeitragszahlern gegenüber. Hans-Werner Sinn, Chef des Münchener Ifo-Instituts, weist darauf hin, dass zum einen der Zweite Weltkrieg die Zahl der älteren Männer sehr stark reduziert hat, zum anderen die jetzt Alten noch relativ viele Kinder haben. Stöhnen, so Sinn, dürfen die heute Berufstätigen über die Höhe ihrer Rentenbeiträge schon. Richtig ernst wird es aber für die nächste Generation, die die ungleich größere Zahl der heute 40jährigen und dann im Rentenalter befindlichen Alten ernähren muss. Unsere Enkelkinder werden also erwartungsgemäß "den Preis" für das reproduktive Verhalten der Eltern zu zahlen haben, wenn die heutigen Generationen sich nicht auf Strukturreformen einigen können.
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