Nachhaltigkeit als neues Leitbild der Politik
Mit der Veröffentlichung des zweiten Teilberichts des Uno-Klimarats (IPCC) und des weltweit großen Medienechos wird die globale Bekämpfung des Klimawandels drängender denn je.
- Kraftwerk: Nachhaltigkeit statt Reparaturpolitik
Mit der Veröffentlichung des mittlerweile zweiten Teils des Weltklimaberichts der Vereinten Nationen ist der Klimaschutz und die Reduzierung von Schadstoffen in unserer Luft zu einem drängenden Problem der Politik geworden. Nachhaltige und grenzüberschreitende, international abgestimmte Lösungen sind gefragt, um die Erwärmung der Erdatmosphäre zu stoppen und um künftigen Generationen auch weiterhin ein Leben auf unserer Erde zu ermöglichen. Doch nicht nur bei dieser Frage bedarf es einer nachhaltigen Politik. Der Begriff der Nachhaltigkeit ist längst aus dem Schatten der klassischen Umweltpolitik herausgetreten. Heute bedeutet er eine grundlegende Neubestimmung der politischen Agenda in allen Teilbereichen der Politik. Die Kräfte- und Aufgabenverteilung zwischen Staat, politischem Mandat, Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Wissenschaft stehen dabei zur Disposition.
Der Begriff Nachhaltigkeit hat seinen Ursprung im Umweltschutzgedanken. Was in den 70er Jahren eine nachsorgende Reparaturpolitik für begangene Umweltsünden war und oft genug im Konflikt mit der Wirtschaft stand, wandelt sich heute grundlegend.
Die alten umweltpolitischen Grabenkämpfe und Horrorszenarien gehören mittlerweile weitgehend der Vergangenheit an. Nachhaltige Politik bedeutet heute Vorausschau und Fähigkeit zum notwendigen Strukturwandel. Eine Entwicklung, die bis in die Mitte unserer Gesellschaft reicht. Was auf den ersten Blick selbstverständlich erscheint, hat in Wirklichkeit weit reichende Konsequenzen.
1987 tauchte der Begriff der "nachhaltigen Entwicklung" ("sustainable development") zum ersten Mal im Abschlussbericht der "Weltkommission für Umwelt und Entwicklung" (WCED), dem so genannten "Brundtland-Bericht", auf. Seitdem gehört er zum festen politischen Vokabular. Doch erst mit dem "Erdgipfel" in Rio de Janeiro im Jahr 1992 und der Klimarahmenkonferenz zur Reduzierung von Treibhausgasen ("Kyoto-Prozess") kommt ein politischer Prozess mit jährlichen Folgekonferenzen - 2001 in Bonn - in Gang, der sich besonders dem Schutz vor der Erderwärmung widmet.
Die "Agenda 21", in Rio beschlossen, löst den Begriff der Nachhaltigkeit aus der engen Umweltpolitik heraus. Die wichtigsten Bereiche sind:
- Die "soziale und wirtschaftliche Dimension" (Armutsbekämpfung, Bevölkerungsdynamik, Gesundheitsschutz und nachhaltige Siedlungspolitik),
- die "Erhaltung und Bewirtschaftung der Ressourcen für die Entwicklung" (Schutz der Erdatmosphäre über die Bekämpfung der Entwaldung, dem Erhalt der biologischen Vielfalt bis hin zur umweltverträglichen Entsorgung von Abfällen),
- die "Stärkung der Rolle wichtiger Gruppen" (die Teilhabe von diversen gesellschaftlichen Gruppen, die für die Umsetzung der Agenda von besonderer Bedeutung sind) und die Möglichkeiten der Umsetzung (Technologietransfer, Bildung, Internationale Zusammenarbeit).
Die "Nationale Nachhaltigkeitsstrategie" der Bundesregierung hat eine ähnliche Zielrichtung. Sie lautet: "Jede Generation muss ihre Aufgaben selbst lösen und darf sie nicht den kommenden Generationen aufbürden. Sie muss zugleich Vorsorge für absehbare zukünftige Belastungen treffen. Das gilt für die Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen, für die wirtschaftliche Entwicklung sowie den sozialen Zusammenhalt und den demografischen Wandel." "Gefragt sind Antworten darauf, was sich ändern muss, damit eine Gesellschaft nicht weiter von der Substanz lebt und das Verbrauchen der eigenen Zukunft bereits in der Gegenwart gestoppt wird", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel vor dem "Rat für Nachhaltigkeit".
Weitere Informationen
- Einladung zur Pressekonferenz [PDF, 57 KB]
- Welt-Artikel zur Klimaforschung "Warum kritische Stimmen keine Chance haben" vom 15.2.2007 [PDF, 75 KB]
- Wams-Artikel: Björn Lomborg, einer der bekanntesten Kritiker der vorherrschenden Theorien zum Klimawandel, lobt den jüngsten UN-Bericht. Doch die Reaktionen hält er für hysterisch. [PDF, 25 KB]
Abonnieren Sie die RSS-Feeds der Initiative
Lesen Sie alle Publikationen der INSM auf Scribd
-
23. Mai 2012
5 vor 10: OECD, Energiewende, Euro-Diskussion, Facebook, US-Wirtschaftspolitik
1. OECD warnt vor Teufelskreis in der Eurozone (faz.net) Der Eurozone stehe eine schwere Rezession bevor, warnt die Organisation für ...
-
22. Mai 2012
“Jede Volkswirtschaft braucht eine wettbewerbsfähige industrielle Basis”
Die Probleme in Europa sind nicht konjunktureller, sondern struktureller Natur. Wenn wir weiter wachsen wollen, müssen dringend Ressourcen aus dem ...
-
22. Mai 2012
5 vor 10: Island, Roboter, Währungsalternativen, China, Sparvorschläge
1. Wie die Abwertung der Krone Island half (Wall Street Journal Online, Charles Forelle) Island war das erste staatliche Opfer der Finanzkrise ...
-
21. Mai 2012
Grünes Wachstum allein reicht nicht
Grünes Wachstum ist hilfreich und geradezu notwendig, um ressourcenschonender zu arbeiten und industrielle Prozesse umweltfreundlicher zu machen. ...
-
19. Mai 2012
Die Konjunktur der Kümmerer
Sparen war gestern. In Griechenland stämmen die Wähler sich mit ihrem Votum gegen einen europäisch verordneten Sparkurs und hiezulande drohen ...
-
16. Mai 2012
Kuscheln mit China
Buchkritik: Loretta Napoleoni: China, der bessere Kapitalismus – was der Westen vom Reich der Mittel lernen kann, Zürich 2012. Ist mit dem Ende ...
Pressespiegel
-
04. Mai 2012
Umfrage: Bürger verlangen Sparkurs - auch zum eigenen Nachteil
Die Schuldenbremse erfährt eine breite Akzeptanz. Die Bürger würden sogar persönlich auf staatliche Leistungen verzichten. Nach einer Umfrage hat ...
-
03. Mai 2012
Nordrhein-Westfalen vor der Wahl: Institut rügt rot-grüne Finanzpolitik
Das Rheinisch-Westfälische Wirtschaftsforschungsinstitut kritisiert in einer neuen Studie den geplanten Abbau des dauerhaften Defizits als
-
24. Apr 2012
Arme zahlen mehr für die Energiewende
· Einkommensschwache Haushalte beteiligen sich mit einem Prozent ihres Vermögens an der Energiewende, Reichere dagegen nur mit 0,1 Prozent. Die ...