Soziale Marktwirtschaft Bildung als Schlüsselqualifikation für die Zukunft
Kann es sich ein Land, das vom Export lebt und eine demografische Entwicklung wie Deutschland hat, eigentlich leisten, auf gut ausgebildete Ingenieure, Facharbeiter, Studenten und Schüler zu verzichten? Eigentlich nicht. Aber wir tun es - fünf Jahre nach Pisa - immer noch.
- Nachwuchsmangel: Schulkinder
"Unsere Fähigkeiten und unser Wissen, unser Einfallsreichtum und unsere Kreativität sind die wichtigste Ressource, die wir in Deutschland haben." Das sagte Bundespräsident Horst Köhler in seiner "Berliner Rede" vom 21. September 2006 in einer Berliner Hauptschule. Die Ausgangslage ist auch sechs Jahre nach Pisa immer noch erschreckend: Im Jahr 2006 erreichten in Deutschland 80000 Jungen und Mädchen keinen Schulabschluss. Es fehlen Ausbildungsplätze. In diesem Jahr wahrscheinlich 30000.
Aber kann es sich eine Wirtschaft, die vom Export und von Innovationen lebt, leisten, auf diese Menschen zu verzichten? Nur jeder zehnte Euro, den die öffentliche Hand in Deutschland ausgibt, fließt in das Bildungssystem - vom Kindergarten angefangen bis zur Hochschule. Sechs Mal soviel wird zugleich für Sozialausgaben bereit gestellt. Anders ausgedrückt: Unser Land gibt seit Jahrzehnten mehr Geld für die Verhinderung des sozialen Abstiegs aus, als für die Ermöglichung des sozialen Aufstiegs durch Bildung. Bei den Ausgaben für die allgemein bildenden Schulen liegen wir deutlich unter dem Durchschnitt der OECD-Länder, und der Abstand hat über die letzten Jahre zugenommen.
Langfristig aber gehen den Universitäten und Fachhochschulen ohnehin eher die Studenten als die Mittel aus. Wenn der Studentenberg in den nächsten Jahren einmal abgebaut ist, droht die demografische Entwicklung zu einem Rückgang der Studentenzahl und zu einem empfindlichen Mangel an Hochqualifizierten zu führen. Es muss also schnell gehandelt werden, damit mehr junge Menschen die Chance erhalten, sich über eine Berufsausbildung für ein Studium zu qualifizieren.
Denn bereits heute nimmt der Nachwuchsmangel in einzelnen Branchen bedrohliche Formen an. Das bestätigt die aktuelle Studie "Recruitment Trends 2006" der europäischen Jobbörse Stepstone. Während vor zwei Jahren 21 Prozent der deutschen Unternehmen Schwierigkeiten hatten, IT-Kräfte zu finden, sind es heute bereits 25 Prozent. Zahlen des Statistischen Bundesamtes sagen aus, dass in diesem Jahr nur noch 17.000 Informatikstudenten ihr Studium abschließen und 2010 nur 14.000. Währenddessen absolvieren beispielsweise in China jährlich 400.000 Ingenieure ihr Studium. Schon heute ist der Wettlauf um sie voll entfacht. Indische IT-Firmen versuchen, chinesische Informatiker mit vergleichsweise billigen Löhnen zu locken. Umgekehrt suchen chinesische Konzerne nach Spezialisten vom indischen Subkontinent. Und deutsche Informatiker? Deutschland, so Ifo-Chef Hans-Werner Sinn, hat in Zukunft immer weniger junge Leute, von denen Dynamik zu erwarten ist, und es bildet die wenigen auch noch schlecht aus.
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