Soziale Marktwirtschaft Deutschland altert
Seit Gründung der DDR hat Ostdeutschland ein Viertel der Bevölkerung verloren. Bis 2050, so die Prognosen, könnte es noch einmal die Hälfte der jetzigen Bewohnerschaft sein. Die neuen Länder haben damit im Zeitraffer erlebt, was auf andere Gebiete Deutschlands erst noch zukommt. Insgesamt wird sich die Bundesrepublik zunehmend teilen in Regionen der Schrumpfung und des Wachstums.
- Schwundregionen: Bald bundesweit
Dabei ziehen die Menschen einerseits vom Land in jene Ballungsräume, die eine wirtschaftliche Perspektive bieten; andererseits aus den urbanen Zentren in deren immer breiter werdende Grüngürtel, die mehr Lebensqualität versprechen. Aber selbst dort fehlen die Kinder. Die Republik wird, zuerst in den Schwundregionen, bald jedoch bundesweit, zu einem Land der Alten.
So war am Jahresende 2005 die Bevölkerung Sachsens und Sachsen-Anhalts mit 45,1 bzw. 45,2 Jahren am ältesten. Demgegenüber weist Hamburg mit 40,7 Jahren das niedrigste Durchschnittsalter auf. Somit beträgt der Altersunterschied zwischen dem ältesten und dem jüngsten Land 4,5 Jahre.
Am stärksten gealtert in den untersuchten 14 Jahren ist die Bevölkerung im ehemals jüngsten Bundesland Mecklenburg-Vorpommern; dem folgt das Land Brandenburg mit 8,2 Jahren. Festzuhalten bleibt, dass in allen ostdeutschen Ländern die demographische Alterung intensiver war als in den westdeutschen Ländern.
Betrachtet man einzelne Altersklassen, so zeigt sich, dass in den Jahren 1991 bis 2005 ausschließlich die Zahl der 60 Jahre und älteren Menschen gestiegen ist: von 16,4 Millionen (1991) auf 20,5 Millionen (2005). Die Zahl der Menschen im mittleren Alter von 20 bis unter 60 Jahren sank im gleichen Zeitraum von 46,6 auf 45,4 Millionen (-3 %) und die der Kinder und Jugendlichen von 17,3 auf 16,5 Millionen (-5 %).
Dabei zeigen sich hier in den einzelnen Bundesländern deutliche Unterschiede. So lebten in allen westdeutschen Bundesländern - außer in Bremen und im Saarland - 2005 mehr Kinder und Jugendliche als 15 Jahre vorher. Ihr prozentualer Anstieg bewegt sich zwischen 3 % in Nordrhein-Westfalen und 10 % in Schleswig-Holstein. Demgegenüber ist in allen ostdeutschen Ländern und in Berlin (hier um 17 %) die Zahl der unter 20-Jährigen stark gesunken. Spitzenreiter in dieser Altersgruppe ist Mecklenburg-Vorpommern mit einem Rückgang um 42 %; dem folgen Sachsen-Anhalt und Thüringen mit 39 und 38 %.
Die Zahl der Menschen im mittleren Alter hat sich im Vergleich zu den beiden anderen Hauptaltersgruppen noch am wenigsten verändert, wohingegen sowohl in den alten als auch den neuen Bundesländern die Zahl der über 60-Jährigen relativ stark angestiegen ist . So stieg ihr Anteil in Brandenburg um 49 % und in Mecklenburg-Vorpommern um 42 %.
Betrachtet man die Altersunterschiede zwischen Männern und Frauen, zeigt sich, dass die Männer zwar schneller gealtert sind, wobei die Frauen nach wie vor in den oberen Altersklassen einen stärkeren Anteil haben. Dies zeigt sich in der Geschlechterrelation bei den 80 Jahre und älteren: So entfielen im Durchschnitt aller Länder im Jahr 2005 auf 100 hochbetagte Männer 253 Frauen im Alter von 80 und mehr Jahren. Dabei ist innerhalb der Länderhierarchie Mecklenburg-Vorpommern mit einem Frauenüberschuss seiner Hochbetagten von 310 der Spitzenreiter, gefolgt von Berlin (307) und Brandenburg (301).
Demgegenüber weist Hessen mit 230 über 80jährigen Frauen je 100 gleichaltriger Männer die günstigste Relation auf. Diese Gruppe der Hochbetagten wird für die Entwicklung der demographischen Alterung zunehmend bedeutender - schließlich stieg der Anteil dieser Altersgruppe 2005 um 20 % auf fast 3,7 Millionen Hochbetagte.
Insgesamt lässt sich eine regionale Zweiteilung des demographischen Alterungsprozesses zwischen 1991 und 2005 feststellen: In Westdeutschland war dieser Prozess schwächer ausgeprägt und in Ostdeutschland war hingegen die Alterung sehr viel stärker, vor allem auf Grund der Abnahme der jüngeren Bevölkerung.
Abonnieren Sie die RSS-Feeds der Initiative
Lesen Sie alle Publikationen der INSM auf Scribd
-
23. Mai 2012
5 vor 10: OECD, Energiewende, Euro-Diskussion, Facebook, US-Wirtschaftspolitik
1. OECD warnt vor Teufelskreis in der Eurozone (faz.net) Der Eurozone stehe eine schwere Rezession bevor, warnt die Organisation für ...
-
22. Mai 2012
“Jede Volkswirtschaft braucht eine wettbewerbsfähige industrielle Basis”
Die Probleme in Europa sind nicht konjunktureller, sondern struktureller Natur. Wenn wir weiter wachsen wollen, müssen dringend Ressourcen aus dem ...
-
22. Mai 2012
5 vor 10: Island, Roboter, Währungsalternativen, China, Sparvorschläge
1. Wie die Abwertung der Krone Island half (Wall Street Journal Online, Charles Forelle) Island war das erste staatliche Opfer der Finanzkrise ...
-
21. Mai 2012
Grünes Wachstum allein reicht nicht
Grünes Wachstum ist hilfreich und geradezu notwendig, um ressourcenschonender zu arbeiten und industrielle Prozesse umweltfreundlicher zu machen. ...
-
19. Mai 2012
Die Konjunktur der Kümmerer
Sparen war gestern. In Griechenland stämmen die Wähler sich mit ihrem Votum gegen einen europäisch verordneten Sparkurs und hiezulande drohen ...
-
16. Mai 2012
Kuscheln mit China
Buchkritik: Loretta Napoleoni: China, der bessere Kapitalismus – was der Westen vom Reich der Mittel lernen kann, Zürich 2012. Ist mit dem Ende ...
Pressespiegel
-
04. Mai 2012
Umfrage: Bürger verlangen Sparkurs - auch zum eigenen Nachteil
Die Schuldenbremse erfährt eine breite Akzeptanz. Die Bürger würden sogar persönlich auf staatliche Leistungen verzichten. Nach einer Umfrage hat ...
-
03. Mai 2012
Nordrhein-Westfalen vor der Wahl: Institut rügt rot-grüne Finanzpolitik
Das Rheinisch-Westfälische Wirtschaftsforschungsinstitut kritisiert in einer neuen Studie den geplanten Abbau des dauerhaften Defizits als
-
24. Apr 2012
Arme zahlen mehr für die Energiewende
· Einkommensschwache Haushalte beteiligen sich mit einem Prozent ihres Vermögens an der Energiewende, Reichere dagegen nur mit 0,1 Prozent. Die ...