Soziale Marktwirtschaft Demografie und wirtschaftliche Innovationskraft
Das demographische Altern hat langfristige Wirkungen auf fast alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens. Insbesondere wird der Arbeitsmarkt und damit die Leistungsfähigkeit unserer Wirtschaft betroffen sein. Denn die wirtschaftliche Dynamik moderner Gesellschaft wird in Zukunft mehr denn je von Faktoren wie "Gesellschaft und Entrepreneuship" und "Wissen und Innovation" bestimmt. Wie innovativ ist aber eine alternde Gesellschaft, der heute bereits Ingenieure und Informatiker fehlen, während in Indien und China die Studiengänge boomen?
- China und Indien: steigern ihre Ausbildungskapazitäten.
Siemens sucht Informatiker, EADS Flugzeugbauer. Der gesamte Maschinenbau klagt. Deutschland fehlen überall Fachleute, von Spitzenleuten und dem Wettlauf um die "besten Köpfe" ganz zu schweigen. "Bereits in wenigen Jahren wird uns die kritische Masse heller Köpfe fehlen, um Basisinnovationen zu entwickeln und daraus marktfähige Produkte und neue Services zu machen", sagt etwa Walter Raizner, Vizepräsident des Bundesverbands Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (BITKOM). Insbesondere die wirtschaftlich aufstrebenden Länder China und Indien steigern massiv ihre Ausbildungskapazitäten, um ihre Innovationskraft zu stärken.
Stimmen die Prognosen, wird etwa Indien in rund 15 Jahren an Japan und Deutschland vorbeipreschen und zur drittgrößten Volkswirtschaft der Welt werden - eine Entwicklung, die sich historisch mit dem industriellen Aufstieg des deutschen Reiches Ende des 19. Jahrhunderts vergleichen lässt. Europa wird erst langsam bewusst, welcher Konkurrent da heranwächst, meint etwa der frühere SPIEGEL-Korrespondent und ausgewiesene Indien-Kenner Olaf Ihlau. Bald wird Indien nicht nur wegen des Outsourcing von IT-Dienstleistungen gefragt sein, sondern zugleich neben China und Osteuropa als neuer Niedrigkostenstandort auch für die verarbeitende Industrie globale Bedeutung gewinnen.
Weltspitze sind die Inder schon längst in der Informationstechnologie, vor allem mit den Hightech-Labors in Bangalore. Angestrebt wird der Status einer Supermacht des Wissens. Noch vor den Olympischen Spielen in Peking 2008 soll ein indischer Roboter auf dem Mond landen. Bald wird die zweitgrößte Nation der Erde ihre größte sein, wenn Indien mit 1,46 Milliarden Menschen an China vorbeizieht und bis zur Jahrhundertmitte auf 1,6 Milliarden anschwillt.
Bereits heute bildet die neue asiatische Großmacht Indien pro Jahr 500 000 Informatiker, Techniker und Ingenieure aus. Hoch motiviert und ambitioniert. Deutschland dagegen schafft gerade mal 40 000. Es gibt insgesamt neun Millionen Studenten in Indien, das ist die Einwohnerzahl Schwedens. Davon erreichen derzeit immerhin 30 Prozent international vergleichbares Niveau. Und dieser Anteil wird sich in den kommenden Jahren schrittweise erhöhen, weil auch die Konkurrenzmacht China massiv in die Ausbildung der jungen Generation investiert. Schon heute betreibt eine wachsende Zahl chinesischer Institute Spitzenforschung.
Währenddessen gehen Deutschland die Studenten und Schüler aus. "In Deutschland ist der Trend rückläufig. Die Absolventenzahlen in den technischen Studienfächern sind in den letzten zehn Jahren gesunken", sagt BITCOM-Vize Raizner. "Unser Land muss eine Strategie entwickeln, um seine internationale Wettbewerbsfähigkeit durch eine intelligente Bildungspolitik zu verbessern." Die Akademikerquote liegt hierzulande bei 21 Prozent. Im Durchschnitt der OECD-Länder schließen dagegen 35 Prozent eines Jahrgangs ein Studium ab. In der Informatik wird die Zahl der Absolventen in den kommenden Jahren sinken - von 17.000 im Jahr 2006 auf rund 14.000 im Jahr 2010. Die meisten anderen Industrieländer bilden dagegen mehr Ingenieure aus, die stärker anwendungsorientiert arbeiten und wirtschaftlich erfolgreiche Produkte entwickeln. In Japan kommen fünf Ingenieure auf einen naturwissenschaftlichen Absolventen, in China 3,5. In Deutschland ist das Verhältnis nahezu ausgeglichen.
Und nicht nur Deutschlands Schüler werden weniger. Auch die Zahl der Lehrer nimmt ab. Und die noch im Dienst befindlichen Lehrer werden immer älter. Zwar bewirken sinkende Schülerzahlen eine Verbesserung der Schüler-Lehrer-
Relation, doch: auch das Lehrerpersonal "altert". Laut Angaben des DIW waren die hauptberuflichen Lehrer an allgemeinbildenden Schulen im Jahr 1992 im Schnitt 44 Jahre alt. Im Jahr 2001 beträgt ihr Durchschnittsalter bereits 47 Jahre.
Oder: Nur 4 % der hauptberuflichen Lehrer sind derzeitig jünger als 30 Jahre, dagegen ca. 43 % 50 Jahre und älter. Wie innovativ und aufgeschlossen für neue Ideen und Techniken sind sie?
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