Unternehmen Einheit: Erfolgsbeispiele
Auf den heimischen Märkten, aber zunehmend auch global behaupten sich Unternehmer aus Ostdeutschland erfolgreich. Im Sonderheft zum 20. Jahrestag des Mauerfalls stellte die SUPERillu fünf Beispiele vor. Vom erfolgreichen Lautsprecherbauer in Geithain über Rotkäppchen in Freiburg bis zum Maschinenbauer in Chemnitz.
UNION Werkzeugmaschinenbau trotzt der Krise
Fakten zum Unternehmen: Der Chef Gerhard Glanz (49), Geschäftsführer; gegründet 1852 als mechanische Werkstatt in Chemnitz ; 180 Mitarbeiter.
Der Name UNION hatte schon zu DDR-Zeiten weltweit einen guten Ruf. Die Firma war bekannt für ihre innovativen Bohr- und Fräsmaschinen, die damals in 42 Länder exportiert wurden. Kein Wunder, dass sich nach der Wende etliche Investoren für den renommierten Betrieb interessierten. Nach mehreren Fehlstarts kam es 1996 zu einem sensationellen Neubeginn: 100 UNION-Mitarbeiter kauften die eigene Firma!
Zunächst wird das neue, hochmoderne Werk fertig gebaut. Zeitgleich entwickeln die Maschinenbaupezialisten ein neues Plattenbohrwerk, das international für Furore sorgt. Der Umsatz der neuen UNION Werkzeugmaschinen GmbH beträgt 1997 bereits 13,3 Millionen Euro, die Zahl der Mitarbeiter steigt auf 116. „Inzwischen gehören wir mit unseren Bohr- und Fräsmaschinen zu den Marktführern, exportieren 50 Prozent unserer Produkte vor allem in die USA, nach China, Russland und Nordeuropa“, freut sich Firmenchef Gerhard Glanz. Zum Einsatz kommen die Werkzeugmaschinen u.a. beim Bau von Windkraft-Getrieben oder Schiffsmotoren-Gehäusen.
Gefertigt werden ca. 40 Maschinen pro Jahr. Der Umsatz 2009 soll 33 Millionen Euro betragen. Tendenz steigend! „Wir bleiben weiter auf Wachstumskurs, trotz Krise“, versichert Gerhard Glanz. „Wir haben Aufträge bis Mai 2010 und einige Neuheiten in petto, die wir im Herbst auf der Mailänder Messe zeigen werden“.
Sektkellerei Rotkäppchen – deutsches Sekthaus Nummer 1
Fakten zum Unternehmen: Chef ist Gunter Heise (58), geschäftsführender Gesellschafter; gegründet 1856 als Weinhandlung und Champagner-Kellerei; 504 Mitarbeiter an fünf Standorten in Deutschland.
Mythos Rotkäppchen! Keine Mär ist schöner als der Aufstieg der Freyburger Kellerei zum bekannntesten Sekthaus Deutschlands. Eine Erfolgsstory, die vor zwanzig Jahren keiner für möglich gehalten hätte. „Nach der Wende ging es ums nackte Überleben. Der Absatz war dramatisch abgesackt – auf 1,5 Millionen Flaschen“, erinnert sich Gunter Heise.
1993 ein erster Lichtblick: Gemeinsam mit vier Kollegen und der Familie Harald Eckes kauft Heise die Firma von der Treuhand. „Wir waren vom Erfolg fest überzeugt, riskierten aber als Sicherheit unsere ganze Habe“.
Bald hatte die Traditionskellerei ihren früheren Spitzenabsatz von 15 Mio Flaschen erreicht, wurde Marktführer im Osten, legte auch im Westen zu. 2002 dann der Geniestreich: Rotkäppchen übernimmt die westdeutschen Sektmarken Mumm, MM und Jules Mumm. 2006 die nächste Überraschung: Rotkäppchen legt sich die Spiritousen der Marke »Eckes« in seinen Korb, wird auch in dieser Sparte führend. Für die Rotkäppchen-Mumm Sektkellereien GmbH war 2008 das erfolgreichste Jahr: 139,4 Millionen verkaufte Flaschen Sekt – eine Steigerung um 7.9 Prozent. Spitze war Rotkäppchen mit 90,9 Mio Flaschen.
Malerfirma Strauß: Schwerer Anfang, nachhaltiger Erfolg
Fakten zum Unternehmen: Chef ist Sebastian Strauß (39); den Betrieb gründete er 1993 in Berlin; 33 Mitarbeiter.
Wie viele junge Ostdeutsche hatte auch Malergeselle Sebastian Strauß 1989 die Nase voll. Im Juli 1989, als das noch ziemlich gefährlich war, floh er über Ungarn in den Westen. Doch schon kurz nach dem Mauerfall kehrte er zurück. 1991 machte er sich mit einem Malerbetrieb selbstständig.
Zuerst arbeitete er ganz allein, 1993 stellte er die ersten Leute an. Strauß: „Es gab viele Niederlagen: Kunden zahlten nicht. Ich musste auch schmerzlich erleben, was es heißt, Angestellte zu haben.“ Auch die monatlichen Festkosten bereiteten ihm schlaflose Nächte.
Im Jahr 2000 bekam er die ersten Großaufträge. Er renoviert seitdem im ganzen Bundesgebiet Supermärkte und Hotels. Auch beim Bau der Ferienwelt in Fleesensee war seine Firma mit dabei.
Inzwischen hat er 33 Angestellte. Mit Frau Manuela erfüllte er sich einen Traum, zog mit ihr und den drei Kindern in ein Eigenheim in der Mark Brandenburg.
Musikelektronik Geithain: Sächsische Lautsprecher mit Sucht-Faktor
Fakten zum Unternehmen: Chef ist der Rundfunkmechanikermeister Joachim Kiesler (68); Gründung im Jahr 1960, Verstaatlichung 1972, Reprivatisierung 1992; 18 Mitarbeiter.
Zuerst waren die Profis überzeugt: 1990, noch vor der Einheit, erzielten die Regielautsprecher von „Musikelektronik Geithain“ bei einem Auswahltest der ARD Bestnoten. Heute haben die Produkte aus Geithain einen Marktanteil von 80 Prozent in den Studios der ARD-Anstalten. Und was die Tonmeister an den weitgehend handgefertigten Lautsprechern aus Sachsen schätzen, gefällt auch immer mehr Hifi-Freunden: kompromisslos natürliche Musikwiedergabe.
Pro Jahr werden rund 6.000 Boxen gebaut – zu Preisen von 1.400 bis 38.000 Euro pro Paar. Und die Nachfrage steigt stetig an – trotz Wirtschaftskrise…
Plauener Spinnhütte: Einst totgesagt, heute flotter denn je
Fakten zum Unternehmen: Chef ist der Betriebswirt Christoph Löning (46); 1928 gegründet, 1946 verstaatlicht, 1990 privatisiert; 50 Mitarbeiter.
Christoph Löning kommt aus einer Unternehmerfamilie. Sein Vater stand in Celle (Niedersachsen) einem Betrieb zur Seidenverarbeitung, der Spinnhütte GmbH, vor. Dass die Familie 1990 in Plauen einen ehemaligen Betriebsteil des VEB Greika von der Treuhand kaufte, hatte auch emotionale Gründe. Der kleine Betrieb in der Celler Straße in Plauen war vor 1945 ein Betriebsteil der Celler Firma gewesen.
Die einstige „Plauener Spinnhütte“ war von der Treuhand schon totgesagt, sollte abgewickelt werden. Löning: „Die Maschinen waren überwiegend schrottreif. Und alle Produkte nicht mehr verkäuflich.“ Juniorchef Christoph Löning, damals erst 28, übernahm die Leitung des ostdeutschen Betriebsteils, zog mit seiner Frau ins Vogtland, lebt mit seinen vier hier geborenen Kindern auf einem Bauernhof nahe Plauen. 1996 verlegte er die gesamte Produktion von Celle nach Plauen.
Unternehmen Einheit: Ostdeutsche sind dabei!
Heute ist die große Mehrheit der Betriebe in den neuen Ländern in ostdeutschen Händen. Allerdigs ist die Mitarbeiterzahl dieser Betriebe im Schnitt noch geringer als die von Unternehmen westdeutscher oder internationaler Eigentümer in Ostdeutschland. Vor allem in der Industrie fordern Experten wie IWH-Chef Blum eine neue Unternehmergeneration Ost. Chancen sehen sie in neuen Industrieen, die sich in den neuen Ländern herausbilden - zum Beispiel die Solarbranche.
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