STUNDE NULL Die ungeschminkte Bilanz nach 40 Jahren DDR
Schlussakkord: Die Wirtschaft am Boden, zerstörte Umwelt, moralisch diskreditiert – die DDR war 1989 nicht mehr überlebensfähig.
Wie marode Ende der 80er Jahre die DDR-Wirtschaft war, bringt 1991 einer auf den Punkt, den man als Kronzeuge für das Desaster nicht auf der Rechnung hatte: „Man denke nur (...) was heute hier los wäre, wenn es die DDR noch gäbe. Mord, Totschlag, Elend, Hunger. Es reißt mir das Herz kaputt“, bilanzierte ausgerechnet Günter Mittag, seit 1966 Mitglied des Politbüros und ab 1976 als ZK-Sekretär für Wirtschaft zuständig. Und zieht ein eindeutiges Fazit: „Das sozialistische System insgesamt war falsch.“
Die Montagsdemos waren in vollem Gange, als ein Politbüro-Krisengipfel den nächsten ablöste. Die bedrohlichen Fakten: Die Produktivität der DDR-Wirtschaft betrug weniger als ein Drittel der Bundesdeutschen. Deren Modernisierung würde „mindestens 500 Milliarden Mark“ verschlingen. Aber selbst das Stoppen der Verschuldung, die auf der späten DDR lastet, so bilanziert das Mielke-Ministerium für Staatssicherheit, würde bereits „im Jahr 1990 eine Senkung des Lebensstandards von 25-30 Prozent erfordern und die DDR unregierbar machen“.
Dabei ist die DDR zu diesem Zeitpunkt bereits von massiven Versorgungsmängeln und Materialknappheit geplagt. Die Rede ist hier nicht von exotischen Südfrüchten, sondern von Puddingpulver, Kinderschlafanzügen, Damenslips (der Demokratische Frauenbund veröffentlicht hierzu sogar Do-it-yourself-Nähanleitungen) oder Schuhen . . .
So paradox es auf den ersten Blick anmutet: „Ein zentraler Grund für die desolate Situation der Wirtschaft ist die politisch motivierte Anhebung des Wohlstands gewesen“, sagt Prof. Klaus Schroeder in seinem Gutachten. Die DDR hat aber nicht nur jahrelang weit über ihre Verhältnisse gelebt, sondern auch bei Umwelt (Luft, Trinkwasser, Verfall Innenstädte) und vielen Menschen , die zuletzt mit den Füßen über ihren Staat abstimmten und in Scharen flohen, einen Scherbenhaufen hinterlassen.
In seinem ganzen Ausmaß kannten den allerdings nur die politisch Verantwortlichen. Denn Wirtschaftsdaten, Außenhandelsbilanzen, Wohlstandserfolge wurden (vgl. Grafik) in großem Stil und über lange Zeit manipuliert. Dass die heile Welt Risse hatte, merkte dennoch jeder, der einen Trabant bestellte und dann Jahre wartete oder einfach nur auf der Suche nach einem Damenslip war . . .
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