Einheitsbilanz Deutschland – 1990-2010

Wissenschaftliche Daten und Fakten verschiedener Studien im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) beweisen 20 Jahre nach der Wiedervereinigung im Oktober 2010: Der Aufbau in den neuen Bundesländern ist viel besser verlaufen als viele glauben. Lesen Sie hier mehr über die neuen Chancen, das neue Lebensgefühl, das neue Unternehmertum und die beispiellose Wohlstands- entwicklung in Ostdeutschland nach 20 Jahren Sozialer Marktwirtschaft, Freiheit und Demokratie.

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Neue Länder: Attraktiv für Investoren

Bei Zukunftstechnologien wie der Solarenergie gibt es in Ostdeutschland ermutigende Ansätze, sie könnten zusätzliche Investoren anziehen. Das glaubt Professor Dr. Ulrich Blum. Der Ökonom ist Präsident des Instituts für Wirtschaftsforschung in Halle.

Die Wirtschaft Ost muss aus eigener Kraft wachsen – sie hat das Zeug dazu

Autoproduktion in Ostdeutschland: Ulrich Blum glaubt, dass die neuen Bundesländer ohne solche industriellen Leuchttürme nicht auskommen. Mehr noch: Es müssen neue Industrien hinzukommen.
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Autoproduktion in Ostdeutschland: Ulrich Blum glaubt, dass die neuen Bundesländer ohne solche industriellen Leuchttürme nicht auskommen. Mehr noch: Es müssen neue Industrien hinzukommen.
Neue Länder: Attraktiv für Investoren

Von Professor Dr. Ulrich Blum

Bislang hat die Wirtschaftskrise den Industrie-geprägten Süden und Südwesten Deutschlands relativ betrachtet stärker mitgenommen als den eher binnenwirtschaftlich geprägten Osten. Dafür sorgen auch hohe Unterstützungszahlungen, die nach wie vor aus dem Westen in den Osten fließen und damit auch die Nachfrage nach Waren und Dienstleistungen vor Ort stützen.

Allein die Stärkung der Binnenwirtschaft kann und wird aber die Zukunft Ostdeutschlands ebenso wenig sichern wie die ganz Deutschlands. Mehr Konsum im Land bringt uns im Wettbewerb beispielsweise mit den dynamischen asiatischen Volkswirtschaften, die ihr Knowhow und ihre Produktivität ständig verbessern, nicht weiter.
Wir brauchen in Ostdeutschland eigene starke und fortschrittliche Schlüsselindustrien – und das durchaus auch aus sozialen Gründen. Die Erfahrung zeigt, dass gerade Volkswirtschaften mit starken, fortschrittlichen Industrien über stabile Sozialsysteme verfügen. Hinzu kommt, dass es in Deutschland Ost wie West zur geistigen Tradition gehört, industriell zu arbeiten.

Woher aber soll der Osten diese Schlüsselindustrieen nehmen, die ihm teilweise noch fehlen? Heute existiert in Ostdeutschland kein Dax-100-Unternehmen. Die Führungs- und Entwicklungszentren der bedeutenden Unternehmen sind in Europa bereits in festen Händen. Die neuen Länder werden also neue, eigene Strukuren entwickeln müssen.

Die Chance und Ansätze dazu haben sie. Es gibt hier viele neue, zukunftsweisende Branchen – zum Beispiel auf dem Feld nachwachsender Rohstoffe, in der grünen Gentechnik und bei den erneuerbaren Energien. Hier könnte der Osten beim nächsten Technologiezyklus die Nase vorn haben.

Am Beispiel der weltweit aktiven Erfolgsfirma SAP zeigt sich, welche Potenziale hier gehoben werden können. Wer hat vor 30 Jahren schon gedacht, dass mit Software Geld in dieser Größenordnung verdient werden könnte? Dadurch sind ganze Regionen wohlhabend geworden, mit denen bis dahin niemand gerechnet hatte. Wir brauchen solche neuen Unternehmen in Ostdeutschland auch, weil verlängerte Werkbänke großer westdeutscher und internationaler Konzerne allein nicht dafür sorgen können, den wirtschaftlichen Aufholprozess zu Ende zu bringen.

Unabhängig von noch vorhandenen Defiziten ist festzustellen, dass das verarbeitende Gewerbe in Ostdeutschland seit der Wende beachtliche Fortschritte erzielt hat. Fast ein Fünftel der ostdeutschen Wirtschaftsleistung kommt bereits aus dem verarbeitenden Gewerbe, das ist mehr als in manchen Industrieländern! Die Arbeitskosten liegen nur bei 75 Prozent des Westens. Gleichzeitig wächst die Arbeitsproduktivität.

Das sind Aspekte, die den Osten attraktiv machen für Investitionen. In Kernbereichen wie der Chemie rund um Halle, dem Maschinenbau um Chemnitz und der Optik in Jena ist der Osten sehr gut positioniert. Die Exportquote der Industrie in den neuen Ländern hat sich sich seit 1995 verdoppelt, auch wenn sie noch unter dem Niveau des Westens liegt.

Insgesamt hat die Industrie bis 2019 noch ein Stück Arbeit vor sich

Viele Unternehmen in den neuen Ländern gehören inzwischen Ostdeutschen – darunter sind aber zuwenig Industrieunternehmen. Ulrich Blum fordert eine neue Unternehmergeneration in der früheren DDR.
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Viele Unternehmen in den neuen Ländern gehören inzwischen Ostdeutschen – darunter sind aber zuwenig Industrieunternehmen. Ulrich Blum fordert eine neue Unternehmergeneration in der früheren DDR.
Wem gehören die Betriebe in Ostdeutschland?

Entscheidend ist für den Osten auch, dass hier neue Unternehmer- und Führungspersönlichkeiten aktiv werden, die Zukunftsentwicklungen und -technologien vorantreiben. Wichtig ist auch, dass die bereits erwähnten Keimzellen für neue „SAPs“ in Ostdeutschland auch vor Ort wachsen können, ohne frühzeitig übernommen und in etablierte Unternehmen integriert zu werden. Nur so kann es hier auf Dauer gelingen, bei der Wertschöpfung – also dem, was erwirtschaftet wird – und in der Folge auch mit dem Lebensniveau aus eigener Kraft voranzukommen.

Die Wirtschaftspolitik muss alle Ansätze, die es auf diesem Wege in Ostdeutschland gibt, besonders im Auge haben und gezielt fördern. Hier müssen womöglich auch Sonderregelungen Ost entwickelt werden, um die Keimzellen ostdeutscher Industrieentwicklung vor Ort zu halten und auszubauen. Wer im Westen meint, dass dies ungerecht sei, der sei darauf verwiesen, dass auch die westdeutsche Mikroelektronik ohne flankierende Maßnahmen des Staates auch nicht zu ihrer heutigen Bedeutung kommen können.
Mein Fazit: Insgesamt hat die Wirtschaft Ost bis 2019 noch ein gutes Stück Arbeit zu bewältigen. Und es ist wichtig, dass sie getan wird! Denn bis zu diesem Zeitpunkt muss der Osten gelernt haben, weitgehend ohne Transfers – also ohne finanzielle Unterstützung aus dem Westen – auszukommen. Denn in diesem Jahr läuft der Solidarpakt II aus.

Ulrich Blum ist einer der bekanntesten deutschen Ökonomen und ausgewiesener Experte für den Aufbau Ost. Der 56-Jährige ist Präsident des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH), das zu den fünf wichtigsten ökonomischen Instituten der Bundesrepublik zählt.

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