Einheitsbilanz Deutschland – 1990-2010

Wissenschaftliche Daten und Fakten verschiedener Studien im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) beweisen 20 Jahre nach der Wiedervereinigung im Oktober 2010: Der Aufbau in den neuen Bundesländern ist viel besser verlaufen als viele glauben. Lesen Sie hier mehr über die neuen Chancen, das neue Lebensgefühl, das neue Unternehmertum und die beispiellose Wohlstands- entwicklung in Ostdeutschland nach 20 Jahren Sozialer Marktwirtschaft, Freiheit und Demokratie.

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Warum der Aufbau Ost ein Erfolg ist

Professor Dr. Karl-Heinz Paqué ist Ökonom an der Magdeburger Universität. In einem Aufsatz tritt der Wissenschaftler Auffassungen entgegen, dass Ostdeutschland nicht weiter zum Westniveau aufschließe. Beachtlich seien vor allem auch die Entwicklungen in der Industrie Ostdeutschlands.

Prof. Karl-Heinz Paqué: Wie der Endspurt zum Westniveau gelingt

Professor Karl-Heinz Paqué ist Ökonom an der Magdeburger Universität und engagiert sich ehrenamtlich für die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM)
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Professor Karl-Heinz Paqué ist Ökonom an der Magdeburger Universität und engagiert sich ehrenamtlich für die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM)
Warum der Aufbau Ost ein Erfolg ist

Bei der Wirtschaftsleistung hat Ostdeutschland bis Mitte der neunziger Jahre rapide aufgeholt. Seither ist die Wirtschaft Ost zwar weiter gewachsen, aber der Abstand zu den alten Bundesländern hat sich nicht weiter verringert. Das mag manchen im Osten mutlos machen: „Wir holen den Westen nie ein!“ Der Magdeburger Volkswirtschaftsprofessor Karl-Heinz Paqué hält dagegen. Er meint: „Wer sich die Sache genauer anschaut, stellt fest, dass die Neuen Bundesländer wirtschaftlich in sehr ermutigender Weise Boden gut machen.“

Die Löhne harmonieren in Ostdeutschland zunehmend mit der Produktivität der Wirtschaft.
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Die Löhne harmonieren in Ostdeutschland zunehmend mit der Produktivität der Wirtschaft.
Die Löhne harmonieren in Ostdeutschland zunehmend mit der Produktivität der Wirtschaft.

Von Karl-Heinz Paqué

Die gesamtwirtschaftliche Betrachtung des Bruttoinlandsproduktes im Ost-West-Vergleich zeichnet das Bild negativer als es ist. Um zu einer korrekten Einschätzung zu kommen, muss man sich die Entwicklung in einzelnen Wirtschaftssektoren anschauen. Nach der Wende war es im Osten fast allein die Bauindustrie, die für Wachstum sorgte: öffentliche Investitionen in neue Straßen und Schienennetze, riesige Bauvorhaben in den Städten, Kläranlagen und Kommunikationsnetzwerke, usw, usw. Auch viele Dienst- und Handwerkerleistungen hingen allein vom Bauboom ab. Der Anteil der Bauwirtschaft an der gesamten Wirtschaftsleistung war zeitweise gut drei Mal so hoch wie in der alten Bundesrepublik. Das ist längst Geschichte. Inzwischen nähert er sich dem auch im Westen normalen Maß.
 

Das Bruttoinlandsprodukt in Ostdeutschland hat sich seit den neunziger Jahren fast verdreifacht.
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Das Bruttoinlandsprodukt in Ostdeutschland hat sich seit den neunziger Jahren fast verdreifacht.
Das Bruttoinlandsprodukt in Ostdeutschland hat sich seit den neunziger Jahren fast verdreifacht.

Durch diese dramatische, aber notwendige Schrumpfung des Bausektors werden die enormen Erfolge des verarbeitenden Gewerbes in den neuen Bundesländern verdeckt. Anfang der neunziger Jahre fand nur noch 3,5 Prozent der deutschen Industrieproduktion im Osten statt, heute sind es wieder knapp 10 Prozent. Das reicht noch nicht, ist aber ein riesiger Fortschritt gegenüber früher. Auch die Zahl der Jobs in der Industrie Ost steigt seit der Jahrtausendwende deutlich. Der Osten wird reindustrialisiert.

Das ist gut so. Wir erleben einen gesunden Strukturwandel vom regionalen Binnenmarkt hin zu mehr Exportorientierung. Der Osten steht heute wirtschaftlich betrachtet viel fester auf eigenen Beinen als noch Mitte der neunziger Jahre.
 

Auch die Bruttolöhne sind in den Neuen Bundesländern stark gestiegen, liegen aber noch unter Westniveau.
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Auch die Bruttolöhne sind in den Neuen Bundesländern stark gestiegen, liegen aber noch unter Westniveau.
Auch die Bruttolöhne sind in den Neuen Bundesländern stark gestiegen, liegen aber noch unter Westniveau.

Das sieht man an der finanziellen Unterstützung, die in die Neuen Länder fließt. In den neunziger Jahren waren es jährlich noch rund 100 Milliarden Euro, die der Osten mehr verbrauchte als er produzierte, 2006 waren es schon nur mehr 30 Milliarden Euro pro Jahr, heute sind es wahrscheinlich noch weniger. Dieser Finanzbedarf ergibt sich insbesondere aus der Unterstützung, die der Westen für das Renten- und Sozialsystem der neuen Bundesländer leistet. Das ist eine Anerkennung der Lebensleistung vieler Menschen während der DDR-Zeit. Mit dem Aufbau Ost selbst hat es wenig zu tun.

Ostdeutsche Firmeninhaber sind in den Neuen Ländern inzwischen in der Mehrheit.
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Ostdeutsche Firmeninhaber sind in den Neuen Ländern inzwischen in der Mehrheit.
Wem gehören die Betriebe in Ostdeutschland?

Immer wieder höre ich die Frage, warum wir 20 Jahre nach dem Mauerfall bei Wirtschaftsleistung und Gehältern in der Wirtschaft immer noch nicht das Westniveau erreicht haben. Man darf dabei nicht verdrängen, welchen Flurschaden 40 Jahre Sozialismus auch wirtschaftlich betrachtet hinterlassen haben, und zwar überall in Mitteleuropa.

Ein anschauliches Beispiel dafür liefert der Nachbar Tschechien. Es war vor dem zweiten Weltkrieg etwa so stark industrialisiert wie Österreich und Frankreich. Im heutigen Tschechien erreicht die Industrie gerade mal ein Drittel der westdeutschen Produktivität. Man hat dort mit den alten Fabriken und Maschinen weitergearbeitet. Mit harten Folgen für den Lebensstandard der Menschen dort. Vor diesem Hintergrund lesen sich fast 80 Prozent vom West-Standard in den neuen Bundesländern ganz anders. Und sie dokumentieren auch die Aufbauarbeit, die dort in den vergangenen zwei Jahrzehnten geleistet worden ist.

Nicht verschweigen will ich ein Problem der neuen Bundesländer. Viele der Investitionen, die Produktivität in Ostdeutschland verbessert haben, kamen von West-Unternehmen, die hier verlängerte Werkbänke errichtet haben. Das sind hochmoderne Fabriken, aber zumeist ohne Abteilungen für Forschung und Entwicklung, ohne strategische Unternehmensleistungen, ohne Verbindung zu öffentlichen Forschungseinrichtungen.

Wir sind damit weit gekommen, aber nun ist dieses Prinzip ausgereizt. Die fehlenden gut 20 Prozent bei der Produktivität werden wir nur erreichen, wenn überall im Osten forschungsintensive Netzwerke entstehen. Wir brauchen dafür eine neue Generation innovationsstarker Unternehmer. Dieses Defizit kann man nicht über Nacht beseitigen. Aber mittelfristig haben wir die Chance dazu.

An den anerkannt guten Universitäten der neuen Bundesländer werden hervorragende Fachleute ausgebildet, vor allem auch mit modernen technischen Schwerpunkten. Zu wünschen wäre, dass im Rahmen der Exzellenzinitiative des Bundes auch Voraussetzungen dafür geschaffen werden, dass diese jungen Fachleute motiviert werden, nach Abschluss ihres Studiums auch in Ostdeutschland zu arbeiten und unternehmerisch tätig zu werden.

Meine Forderung an die Politik: Schluss mit immer noch mehr Beton. Wir brauchen mehr Investitionen in Köpfe, damit in Ostdeutschland ein eigenständiger Motor für Innovation entsteht. Nur so können wir die Deutsche Einheit vollenden, auch wirtschaftlich. Das dies im Osten möglich ist, zeigt sich schon längst in einzelnen Branchen und Regionen: in der Photovoltaik in Bitterfeld, der Optik in Jena, bei der Mikroelektronik in Dresden und dem modernen Maschinenbau in Chemnitz und Magdeburg.

Der Ökonom Professor Dr. Karl-Heinz Paqué arbeitet seit 1996 am Lehrstuhl für Internationale Wirtschaft der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg. Professor Paqué ist zudem FDP-Mitglied und war von 2002 bis 2006 Finanzminister des Landes Sachsen-Anhalt. Er engagiert sich ehrenamtlich für die INSM. Anfang September erscheint beim Carl Hanser Verlag München sein neues Buch „Die Bilanz. Eine wirtschaftliche Analyse der Deutschen Einheit“.

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