Matthias Platzeck über den Weg in die innere Einheit
Der Ministerpräsident des Landes Brandenburg, Matthias Platzeck, spricht als Redner beim Medienevent der SUPERillu und der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft am 21. August in Berlin. Vorgestellt wird in Kooperation erstellte SUPERillu-Sonderheft zum 20. Jahrestag des Mauerfalls. Platzeck meint: Die Ostdeutschen haben so viel Veränderung mitgemacht, sie werden sich auch in Zukunft nicht unterkriegen lassen.
Zupackende Grundhaltung

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- Matthias Platzeck (55) ist Ministerpräsident von Brandenburg und SPD-Landeschef.
- Quelle: dpa
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Von Matthias Platzeck
"Und nicht über und nicht unter andern Völkern wollen wir sein“ – zwei Jahrzehnte nach der friedlichen Revolution in der DDR eignet sich diese Textzeile aus Bert Brechts wunderbarer „Kinderhymne“ besser denn je als Motto für Ostdeutschland und die Ostdeutschen.
Denn inzwischen haben wir längst unser inneres Gleichgewicht wiedergefunden, das in den aufreibenden Jahren nach 1989 manchmal etwas abhanden zu kommen drohte.
Das Ende des SED-Staates hatten die Menschen in der DDR in ihrer großen Mehrheit gewollt. Aber die massiven Umbrüche, die danach jahrelang folgten, haben viele von uns als eine bisweilen zermürbende Mischung aus Achter- und Geisterbahnfahrt erlebt: Arbeit haben, Arbeit verlieren, endliche ABM und scheinbar unendliche Suche nach einem festen Platz in der neuen Gesellschaft.
Kein Wunder, dass die enormen Herausforderungen und ständigen Krisen an uns Ostdeutschen nicht ganz spurlos vorbeigingen. „Jammerossis“ seien wir, wurde uns deshalb aus dem Westen vorgeworfen. Das war ungerecht und verletzend. Und manche von uns reagierten darauf mit bockigem „Osttrotz“. Aber das liegt inzwischen weitgehend hinter uns. Unter enorm schwierigen Bedingungen haben wir mitten im neuen Europa eine moderne und lebenswerte Region aufgebaut. Heute bekennen sich die allermeisten Menschen ganz natürlich nicht nur zu historischen Landschaften sondern auch zu ihren Bundesländern – mit neuem Selbstbewusstsein, auch mit Stolz, aber ohne falsche Selbstüberhebung und Abgrenzung gegen andere.
Rückschläge erleiden, wieder aufstehen, sich neu zurechtfinden und unverdrossen weitermachen – genau das haben wir Ostdeutschen in den vergangenen 20 Jahren sehr gründlich gelernt. Diese Erfahrungen werden uns in den nächsten 20 Jahren noch oft zugute kommen. Wir wissen jetzt, dass wir mithalten können und lassen uns nicht so leicht die Butter vom Brot nehmen. Vielleicht genau deswegen gehen wir Ostdeutschen mit der aktuellen Wirtschaftskrise auch etwas ruhiger und gelassener um als manche andere.
„Wir haben so viel überstanden seit 1989“, sagen mir die Leute überall hier im Osten, „da werden wir uns von dieser Krise auch nicht unterkriegen lassen.“ Diese zupackende und unerschrockene Grundhaltung ist nicht der schlechteste Beitrag, den wir Ostdeutschen zur Inneren Einheit leisten können – bis 2019 und auch darüber hinaus.
Matthias Platzeck (55) ist Ministerpräsident von Brandenburg und SPD-Landeschef. Der Dipl.-Ingenieur aus Potsdam war 1989 Mitbegründer der Grünen Liga. Während der Oder-Flut 1997 wurde er als „Deichgraf“ bekannt.
INSM
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