Einheitsbilanz Deutschland – 1990-2010

Wissenschaftliche Daten und Fakten verschiedener Studien im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) beweisen 20 Jahre nach der Wiedervereinigung im Oktober 2010: Der Aufbau in den neuen Bundesländern ist viel besser verlaufen als viele glauben. Lesen Sie hier mehr über die neuen Chancen, das neue Lebensgefühl, das neue Unternehmertum und die beispiellose Wohlstands- entwicklung in Ostdeutschland nach 20 Jahren Sozialer Marktwirtschaft, Freiheit und Demokratie.

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Tourismus – die Chancen der neuen Länder

Viele verborgene landschaftliche und kulturelle Schätze des Ostens können in Zukunft ähnliche Magnetwirkung entfalten wie beispielsweise berühmte West-Anziehungspunkte – zum Beispiel das Schloss Neuschwanstein. Das glaubt Tilo Braune, Ehrenpräsident des deutschen Tourismusverbandes.

Die verborgenen Schätze des Ostens sind es wert, entdeckt zu werden

Tilo Braune, Ehrenpräsident des Deutschen Tourismusverbandes.
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Tilo Braune, Ehrenpräsident des Deutschen Tourismusverbandes.
Tilo Braune: Tourismus - die Chance der neuen Länder

Von Tilo Braune, Ehrenpräsident des deutschen Tourismusverbandes

Der Tourismus ist die Erfolgsgeschichte der wirtschaftlichen Entwicklung Ostdeutschlands. Untersuchungen der letzten Jahre belegen einen sprunghaften Anstieg der Gästeankünfte in den neuen Bundesländern. Spitzenreiter ist Mecklenburg-Vorpommern. Hier haben sich die Zahlen zwischen1992 (2 Millionen) und 2008 (knapp 6 Millionen) nahezu verdreifacht. Die Kreidefelsen auf Rügen, der G8-Gipfel-Ort Heiligendamm, die Insel Usedom, die Frauenkirche in Dresden, Quedlinburg, Eisenach, der Wörlitzer Park – das alles sind Stars unter den ostdeutschen Ferienzielen, die auch international Bekanntheit und zunehmende Anziehungskraft entwickeln. Im jüngsten Regionalranking der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft rangieren bei den Übernachtungszahlen fünf Kreise aus dem nördlichsten der neuen Bundesländer unter den Top 20 aus insgesamt 409 untersuchten Kreisen und kreisfreien Städten.

Zuwächse, wenn auch schwächere, verzeichnen alle fünf ostdeutschen Flächenländer: Im Durchschnitt hat sich der Zuspruch von Touristen für den gesamten Osten innerhalb eines Jahrzehnts verdoppelt. Ich bin sicher, dass die Besucherzahlen in den nächsten zehn Jahren noch einmal deutlich zunehmen werden. Dafür können auch Hidden Champions (verborgene Schätze) in Ostdeutschland sorgen.

So ist die Auenlandschaft der Peene ein weit über die Region hinaus erlebenswertes Ziel. Wasserwanderer und Naturfans werden verzaubert sein von diesem „Amazonas“ des Nordens“, einem Labyrinth aus alten Torfstichkanälen, die im Lauf der Jahrhunderte zu wunderbaren Biotopen voller seltener Arten geworden sind. Mehr Beachtung verdienen aber auch bislang international weniger bekannte Kulturregionen wie beispielsweise die Straße der Romanik in Sachsen-Anhalt und das mittelsächsische Burgenland.

Diese Hidden Champions stehen für den perfekten Mix aus Natur und Kultur, den Ostdeutschland zu bieten hat. Die neuen Bundesländer sind durch eine sehr gute Infrastruktur zudem sehr gut zu erreichen. Das macht sie auch sehr attraktiv für ältere Besucher. Diese Gästegruppe wird durch den demographischen Wandel an Bedeutung gewinnen. Die Nachfrage nach Wellness-, Medical Wellness- und Spa-Urlauben wird wachsen. Regionen wie zum Beispiel das Berliner Umland oder die Müritz sind für solche Bedürfnisse wie geschaffen.

Ein Defizit, unter dem die Neuen Bundesländer als Ferienregion derzeit noch leiden: Verglichen mit Westdeutschland finden nur vergleichsweise wenige Besucher aus dem Ausland den Weg hierhin. Dieses Problem thematisiert eine Studie des Europäischen Tourismus-Institutes. 

Der Osten muss international auf seine Highlights aufmerksam machen

Ausgelassenheit an der Küste Mecklenburg-Vorpommerns.
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Ausgelassenheit an der Küste Mecklenburg-Vorpommerns.
Tourismus - die Chance der neuen Länder

Gelingt es uns, im Ausland mehr Aufmerksamkeit für die Ferien- und Tourismusregion Ostdeutschland zu wecken, so können wir aus touristischer Sicht noch große Potenziale heben. Dafür müssen aber jetzt die Weichen richtig gestellt werden. Das heißt beispielsweise: Wir brauchen flächendeckend internationale Service-Standards und Mehrsprachigkeit der Mitarbeiter in den Betrieben. Vor allem aber benötigen wir in den kommenden zehn Jahren eine gemeinsame nationale und internationale Marketingstrategie, um Ostdeutschland insgesamt als Ferienregion stärker ins Bewusstsein zu rücken. So sollte der neue Berliner Hauptstadtflughafen in Schönefeld konsequent auch als Drehscheibe für eine internationale Werbekampagne für die ostdeutschen Ferienregionen und Kulturdestinationen genutzt werden.

Dass man gemeinsam etwas bewegen kann, zeigt die erfolgreiche Kooperation Mecklenburg-Vorpommerns und Brandenburgs. Sie bewerben ihre Seen- und Flusslandschaft – Europas größtes Wassersportrevier – unter dem gemeinsamen Titel „Das blaue Paradies“ und haben dafür auch eine eigene Internetpräsenz entwickelt. Das hat Potenzial für eine auch internationale Vermarktung, zumal alles in Reichweite der Metropole Berlin liegt.

Schwarzwald, München und sein Oktoberfest, Neuschwanstein, das sind die Namen, mit denen gerade Besucher aus dem Ausland ein romantisches Deutschlandbild verbinden, das positive Phantasien auslöst.

Das blaue Paradies, Dresden als (Elb-)Florenz des Ostens, die Goethestadt Weimar, Weihnachten im Erzgebirge – auch wir im Osten haben Orte, die national und international eine ähnliche Magnetwirkung entfalten können. Wir sollten selbstbewusst unsere Schätze aller Welt zeigen. Ich bin mir sicher, dass wir so im kommenden Jahrzehnt noch deutlich mehr Gäste aus dem In- und Ausland empfangen können.

Tilo Braune (55, SPD) ist Ehrenpräsident des Deutschen Tourismusverbandes. Der Greifswalder war unter anderem Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium.

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