Einheitsbilanz Deutschland – 1990-2010

Wissenschaftliche Daten und Fakten verschiedener Studien im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) beweisen 20 Jahre nach der Wiedervereinigung im Oktober 2010: Der Aufbau in den neuen Bundesländern ist viel besser verlaufen als viele glauben. Lesen Sie hier mehr über die neuen Chancen, das neue Lebensgefühl, das neue Unternehmertum und die beispiellose Wohlstands- entwicklung in Ostdeutschland nach 20 Jahren Sozialer Marktwirtschaft, Freiheit und Demokratie.

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Bildung Ost teilweise über Westniveau!

Ostdeutsche Schulen und Universitäten punkten regelmäßig in Studien und Rankings. Professor Dagmar Schipanski, frühere Rektorin der TU Ilmenau und Ex-Vorsitzende der Kultusministerkonferenz über die Gründe für die gute Bildungsqualität in Ostdeutschland.

Konsequenter Neuanfang bringt mehr Qualität und jüngere Absolventen

Dagmar Schipanski ist heute Landtagspräsidentin in Thüringen. Sie war Rektorin der TU Ilmnau und Vorsitzende der Kultusministerkonferenz. Als Botschafterin engagiert sie sich für die INSM.
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Dagmar Schipanski ist heute Landtagspräsidentin in Thüringen. Sie war Rektorin der TU Ilmnau und Vorsitzende der Kultusministerkonferenz. Als Botschafterin engagiert sie sich für die INSM.
Konsequenter Neuanfang bringt mehr Qualität und jüngere Absolventen

Von Professor Dr. Ing. Habil. Dagmar Schipanski

In Rankings bekommen Ost-Bundesländer regelmäßig gute Noten. Ein Beispiel ist die Ende 2008 vorgestellte PISA-E-Studie. Ein anderes Beispiel sind Universitätsvergleiche zum Beispiel des Centrums für Hochschulentwicklung. Nun zahlt sich aus, dass wir in den neuen Bundesländern nach der friedlichen Revolution neue, eigene Wege gegangen sind. Die SED-Ideologisierung des Schulunterrichts wurde konsequent abgeschafft, freiheitlich demokratisches Ideengut etabliert.

Aber es wurde auch Bewährtes übernommen, beispielsweise die praxisnahe Didaktik der Naturwissenschaften und die zeitlich straffe Organisation des Unterrichts. So hat das Abitur nach 12 Jahren nun auch im Westen Schule gemacht. Zudem haben wir das zweigliedrige Schulsystem beibehalten – das heißt: Wir haben in Ostdeutschland keine Hauptschule und damit auch keine „Restschul-Debatte“, wie sie im Westen bedauerlicherweise vielerorts geführt wird. Übernommen aus DDR-Zeiten haben wir auch den naturwissenschaftlichen und handwerklichen Fächern sowie den Schulgärten weiterhin Beachtung beigemessen.

Wir haben damit jüngere Schulabsolventen, die zudem schon wichtige praktische Fertigkeiten für das Arbeitsleben mitbringen. Nicht zu vergessen, dass wir von Anfang an in den Schulen starken Wert darauf legten, Grundfertigkeiten wie Lesen, Rechnen und Schreiben konsequent einzuüben. Ebenso hat Medienkompetenz einen hohen Stellenwert.
Auf der anderen Seite haben wir die überkommenen DDR-Strukturen an den Hochschulen konsequent abgelöst, die Selbstverwaltung als wichtigstes Element von Universitäten wieder eingeführt. Jede Professur wurde ausgeschrieben und die Bewerbung aus fachlicher und gesellschaftlicher Sicht von neu geschaffenen Kommissionen beurteilt. Das war zum Teil schmerzlich für die Betroffenen, die aus fachlichen oder politischen Gründen nicht übernommen werden konnten.

Viele Studenten zieht es inzwischen von West nach Ost

Dieses Foto wurde in der TU Ilmenau aufgenommen, die Dagmar Schipanski nach dem Mauerfall geleitet hat.
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Dieses Foto wurde in der TU Ilmenau aufgenommen, die Dagmar Schipanski nach dem Mauerfall geleitet hat.
Bildung Ost teilweise über Westniveau!

Doch dieser Neuanfang hat es uns ermöglicht, an den Hochschulen neue Strukturen und neue Inhalte zu etablieren. Wir waren sehr früh mit fächerübergreifenden Studiengängen am Start. Beispiele: Angehende Medienwissenschaftler erhalten gleichzeitig Angebote in Medienrecht. Naturwissenschaftler und Ingenieure können speziell auf sie zugeschnittene Angebote in Betriebswirtschaftslehre oder Unternehmensrecht belegen. Wir hatten das Fach Wirtschaftsinformatik bereits, als Fakultäten im Westen noch darüber diskutierten, wie und ob man etwas Derartiges einführen solle. Zuletzt hat eine Studie der OECD den ostdeutschen Hochschulen bescheinigt, dass sie Studierende besonders gut auf unternehmerische Aufgaben vorbereiten.

Ein konzeptioneller Neuanfang an den Hochschulen war auch deshalb erforderlich, weil wir an den Ost-Universitäten überlegen mussten, wie wir uns im Wettbewerb mit den großen westdeutschen Hochschulen behaupten können. Von Anfang an haben wir dabei auch einen besonderen Schwerpunkt auf die Lehre gelegt, die an westdeutschen Universitäten häufig nicht die ihr zustehende Priorität hat. So haben wir zum Beispiel Studienpläne und Studienordnungen entwickelt, die es 80 Prozent unserer Studierenden ermöglichen, innerhalb der Regelstudienzeit ihren Abschluss zu machen. Im Westen liegt dieser Anteil deutlich niedriger. Mit unseren jüngeren Absolventen tragen wir auch den Herausforderungen der gesellschaftlichen Alterung in besonderer Weise Rechnung. Wenn man so will, produzieren wir in kürzerer Zeit mehr und praxisnähere Bildung.

Von Anfang an haben wir im Osten großen Wert darauf gelegt, besondere Talente auch besonders zu fördern. An Gymnasien für Hochbegabte aus dem naturwissenschaftlichen, musischen, sprachlichen oder sportlichen Bereich bieten wir vielfach auch Internatsplätze an, die Schüler aus der Bundesrepublik und auch aus dem Ausland anziehen.

Diese entscheidenden Weichenstellungen nach der friedlichen Revolution sorgen dafür, dass wir in Ostdeutschland im Schnitt jüngere und universeller ausgebildete Absolventen haben. Das sorgt dafür, dass es mittlerweile auch viele Studenten aus dem Westen nach Osten zieht. Diese Entwicklung spiegelt sich auch in Zahlen wider: Wir hatten 1990 in Thüringen rund 13.300 Studierende, heute sind es rund 55.000. All das bildet heute das Fundament für große Erfolge des Ostens im Bildungssektor.

Nicht zu vergessen ist auch die aus DDR-Zeiten übernommene flächendeckende Kitabetreuung und Ganztagsbetreuung in Schulen. Ich weiß von jungen Akademikerinnen, dass sie nach Jena kommen, weil sie ihre Kinder hier bestens versorgt wissen.
Da die Strukturen dieses Neuanfangs noch sehr jung sind, bin ich sicher, dass sie auch noch weit in die Zukunft hinein tragen werden. Der Bildungsstandort Ost wird auch 2019 eine gute Wahl sein.

Es ist allerdings nicht so, dass ich wunschlos glücklich wäre. Mit Blick auf die nächsten zehn Jahre würde ich mir beispielsweise im Rahmen der Exzellenzinitiative des Bundes bestimmte Sonderregelungen für den Osten wünschen, die der Tatsache Rechnung tragen, dass die Wirtschaft hier noch nicht so viele forschungsintensive Netzwerke etablieren konnte, wie dies nach 60 Jahren Sozialer Marktwirtschaft beispielsweise im Raum München der Fall ist. Dadurch leiden wir unter dem Problem, dass unsere jungen Absolventen mangels Beschäftigungsperspektiven allzu oft nach Westen abwandern. Um einige von ihnen hier zu halten, sollte man jungen Doktoranden beispielsweise Fünfjahresverträge mit angemessener Bezahlung garantieren. Wünschenswert sind unbefristete Anstellungen, um die Bindung an Thüringen zu stärken. Auf diese Weise kann es auch hier gelingen, Wissenschafts-Cluster in der Region zu verstärken und so die Keimzelle für neue wirtschaftsnahe Forschungsstrukturen zu legen.

Professor Dr.-Ing. habil. Dagmar Schipanski (65, CDU) ist heute Landtagspräsidentin in Thüringen. Die Professorin für Festkörperelektronik war nach der Wende Rektorin der TU Ilmenau. 1996 bis 1998 hatte sie den Vorsitz des Wissenschaftsrates der Bundesrepublik Deutschland inne. 2002 war sie als Thüringer Wissenschaftsministerin Vorsitzende der Kultusministerkonferenz. Sie engagiert sich ehrenamtlich als Botschafterin der INSM.

Hintergrund: Bei Pisa schneiden viele Ost-Länder besser ab

Mehr Chancen für junge Leute in den neuen Ländern: Die Zahl der höheren Bildungsabschlüsse steigt.
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Mehr Chancen für junge Leute in den neuen Ländern: Die Zahl der höheren Bildungsabschlüsse steigt.
Bildung Ost teilweise über Westniveau!

Mit dem »Programm für International Student Assessment« testet die OECD die Kompetenzen 15-Jähriger in den Bereichen Lesen, Mathe und Naturwissenschaften. International liegt Deutschland nur im Mittelfeld. Bei den Naturwissenschaften z.B. erreicht Sachsen nach Finnland Platz 2. Im bundesweiten Vergleich 2008 hat Sachsen Bestnoten erzielt – vor Bayern und Thüringen.
 

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