INSM-Geschäftsführer Max A. Höfer: „Die Aufbau-Bilanz Ost kann sich sehen lassen“
Persönliche Eindrücke von Max A. Höfer, Geschäftsführer der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft, über den Einigungsprozess der letzten 20 Jahre. Dieser Kommentar wurde in einem Sonderheft der SUPER ILLU zum 20. Jahrestag des Mauerfalls veröffentlicht.
"Wie ich Mauerfall und Einheit erlebte"

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- Eine breite Mehrheit der Ostdeutschen sieht die Deutsche Einheit als Glücksfall für Deutschland.
- Freiheit oder Gleichheit
Als die Mauer fiel, machte ich mich als Journalist gleich auf in den „Osten“. Ich nahm an den Montagsdemos in Leipzig teil und bewunderte die Disziplin und Klugheit der Ostdeutschen auf diesem gefahrvollen Weg zur Einheit. Sie erkämpften sich Demokratie und Soziale Marktwirtschaft und die Bilanz kann sich – wie die Daten und Fakten dieses Hefts belegen – sehen lassen.
Die Wende war ein fundamentaler wirtschaftlicher Umbruch. Was das konkret bedeutete, erfuhr ich durch meinen Nachbarn, neben dem ich später an der Ostsee wohnte. Einmal kam er von seinem Abitur-Treffen und erzählte mir, er habe keinen Klassenkameraden getroffen, der nicht mindestens einmal arbeitslos geworden war oder sich beruflich völlig neu erfinden musste. Soviel Flexibilität hätte ich mir oft auch im Westen gewünscht.
Der Aufbau Ost war kein Zuckerschlecken. Aber wenn ich meine Wende-Fotos – etwa von Binz auf Rügen – mit den Bildern von heute vergleiche, dann kann ich nur sagen: Es hat sich gelohnt, und wir können – alles in allem – stolz darauf sein. Ostdeutschland hat in diesen 20 Jahren große Schritte nach vorn gemacht: Die Industrie expandiert, der Exportanteil wächst. Die Mehrzahl der Betriebe wird von Ostdeutschen geleitet. Die Lebenserwartung ist gestiegen. Die Zahl der höheren Bildungsabschlüsse hat sich fast verdoppelt. Das bringt neue Aufstiegschancen für die Kinder der Generation, die den Mauerfall wesentlich mit erkämpft und am meisten durchgemacht hat. Heute reißen sich Unternehmen um Absolventen beispielsweise der TU Ilmenau.
Ein Küchenchef, mit dem ich befreundet bin, klagt immer noch, dass die besten Jungköche seines Restaurants aus dem Westen abgeworben werden und er sein Küchenteam ständig neu aufbauen muss. Es tröstet ihn wenig, wenn ich ihm sage, dass der Wegzug den jungen Menschen gut tut für ihre Lebens- und Berufserfahrung. Dass junge Leute wegziehen ist weniger das Problem, solange sie irgendwann wieder zurückkommen und wenn umgekehrt andere sich vom Osten angezogen fühlen. Doch stimmt hier das Wandersaldo noch nicht.
Der Osten muss attraktiver werden. Das geht aber nur, wenn alle Deutschen, in West und Ost, angesichts der enormen Aufbauleistung zu einem pragmatischen Optimismus finden. Hier scheint mir der Osten weiter als der Westen. Nur 45 Prozent der Westdeutschen sind der Meinung, die Einheit sei ein Glücksfall für Deutschland. Im Osten sind es 65 Prozent. Ein Grund für diese Differenz könnte sein, dass der Westen den Osten zu lange nur mit Problemen in Verbindung brachte und nun gar nicht wahrnimmt, dass es da auch viele Erfolgsgeschichten gibt. Ich glaube, es ist Zeit für eine Charmeoffensive des Ostens.
Max Höfer (50) ist Geschäftsführer der von Wirtschaftsverbänden getragenen Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM)
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