INSM-Dossier Studiengebühren

Studieren zum Nulltarif sollte passé sein: Mit Studiengebühren wird die Qualität der Ausbildung verbessert. Doch nachdem sieben Bundesländer seit dem Jahr 2006 Studiengebühren beschlossen hatten, wurden sie im Saarland und in Hessen von neu gewählten Landesregierungen seit 2008 wieder abgeschafft. 2010 arbeitet nun auch die rot-grüne Minderheitsregierung in NRW daran, die Studiengebühren wieder zu kippen. Lesen Sie hier mehr zum Thema.

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Bildung Studiengebühren im Ausland – Gleiche Mittel, unterschiedliche Erfolge

Seit Jahren zahlen Studenten in zahlreichen Industriestaaten Gebühren. Obwohl die Länder dabei ähnlich vorgehen, sind die Ergebnisse höchst unterschiedlich.

Studiengebühren im Ausland: unterschiedliche Erfolge
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Studiengebühren im Ausland: unterschiedliche Erfolge
Studien-Absolventen feiern ihren Abschluss

Bis auf wenige Ausnahmen zahlen Studenten heute in fast allen Industrienationen für ihr Studium. Die USA sind durch die Gebühren und das private Engagement an den Hochschulen zur Forschungsnation Nummer eins geworden. Auch in anderen Ländern haben die Gebühren für eine Verbesserung des Hochschulsystems gesorgt. Doch vor allem Österreich hat gezeigt, "wie man es nicht machen sollte" - und lieferte damit Munition für die Gebührengegner in Deutschland. Unsere Übersicht stellt die wichtigsten Gebühren-Länder vor.

USA

In den Vereinigten Staaten verlangen sowohl private wie auch staatliche Hochschulen Gebühren. Die Spanne reicht dabei je nach Hochschule von 250 bis 25 000 Euro pro Jahr. Zugleich gibt es eine ganze Palette von Fördermöglichkeiten für die Studenten: Von Darlehen bis hin zu staatlichen Zuschüssen für bedürftige Studenten. Die Folge: An den privaten Colleges und Hochschule ist der Anteil von sozial Schwachen unter den Studienanfängern etwa gleich hoch wie der von Kinder aus sehr wohlhabenden Familien. Zudem zwingen die Gebühren die Hochschulen in einen harten Wettbewerb und Konkurrenzkampf. Dieser führt zu großen Unterschieden bei der Studienqualität an den Einrichtungen. Am Ende steht aber auch die USA als Forschungsnation Nummer eins.

Großbritannien

Die britischen Universitäten verlangen von ihren Studenten Gebühren von rund 1600 Euro bis zum Bachelor-Abschluss, danach rund 4300 Euro pro Jahr. Trotzdem ist die finanzielle Situation vieler Universitäten auf der Insel angespannt. Das Problem: Der Staat übernimmt für sozial schwache Studenten teilweise komplett die Gebühren. So zahlen aber rund 40 Prozent gar kein Geld, weitere 20 Prozent einen reduzierten Beitrag. Für die Studenten gibt es zudem zinslose Darlehen vom Staat, die nach dem Studium einkommensabhängig zurückgezahlt werden. So stieg auch im Vereinigten Königreich trotz der Gebühren der Studentenanteil aus bildungsfernen Schichten.

Australien

In "Down Under" zahlen Studenten zwischen 2000 und 4000 Euro pro Jahr je nach Fachrichtung. Die Gebühren werden zumeist über staatliche, zinslose Darlehen finanziert, die nach dem Studium je nach Einkommen zurückgezahlt werden. Dazu erhalten die Studenten Zuschüsse zum Lebensunterhalt und Förderprogramme. Wie die USA liegt so auch hier der Anteil von sozial Benachteiligten unter den Studenten bei rund 20 Prozent. Problematisch ist aber: Wegen der Studiengebühren hat sich der Staat immer weiter aus der Bildungsfinanzierung zurück gezogen.

Niederlande

In den Niederlanden konkurrieren die Hochschulen um die Studienanfänger. Denn die Studiengebühren von rund 1400 Euro im Jahr gehen direkt an die Einrichtungen. Vor allem aber richtet sich die Höhe der staatlichen Zuschüsse nach der Zahl der Erstsemester und deren Abschlüssen - je mehr Absolventen, desto mehr Geld. Die Hochschulen versuchen also, die Zahl der Studienabbrecher so gering wie möglich zu halten. Für die Studenten gibt es einkommensunabhängige Zuschüsse. Die müssen nicht zurückgezahlt werden, wenn das Studium in der Regelstudienzeit beendet wird. Für sozial schwache angehende Akademiker gibt es zusätzliches Geld und Darlehen.

Österreich

Die Studenten in Österreich zahlen seit 2001 363 Euro pro Semester. Doch die Gebühren gingen zunächst nicht vollständig an die Hochschulen, sondern flossen in den Staatshaushalt. Als das Geld dann vollständig bei den Universitäten ankam, reichten es zumeist gerade aus, um Kürzungen auszugleichen. Diese hatten ihre Ursache in gestiegenen Kosten für Betrieb, Lehre und die neue autonome Verwaltung. Laut dem Wiener Bildungsministerium sank durch die Gebühren aber die durchschnittliche Studiendauer, die Zahl der Studienabbrecher sowie der Langzeitstudenten. Zugleich mussten aber deutlich mehr Studenten neben der Uni jobben gehen - was aber wiederum nach dem Studium auf dem österreichischen Arbeitsmarkt honoriert wird.

Weitere Länder

In anderen europäischen Staaten zahlen die Studenten ebenfalls Gebühren. In Frankreich, Irland, Portugal, Belgien und Spanien zahlen sie aber nicht mehr als 750 Euro pro Jahr. Dabei handelt es sich meist um eine Verwaltungsabgabe. In der Schweiz und Italien werden hingegen Studiengebühren von 750 Euro und mehr pro Jahr erhoben. Der gezahlte Beitrag der Studenten richtet sich dabei oft auch nach dem Einkommen ihrer Eltern. Die werden vom Staat durch Kindergeldleistungen oder günstigere Steuern entsprechend gefördert. Dänemark, Griechenland, Schweden oder Finnland erheben indes keine Studiengebühren. Hier finanziert der Staat zumeist direkt die Hochschulen.

Ronald Voigt

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