Bildung Lücken, Löcher, Leere – die Hochschulen auf der Suche nach Geld
Die deutschen Hochschulen gelten als chronisch unterfinanziert. Zu wenig Professoren, zu viele Studenten, schlechte Ausstattung. Weil aus dem privaten Sektor zu wenig kommt, trägt der klamme Staat die finanzielle Hauptlast. Bund, Länder und Wirtschaft versuchen jetzt mit großen Förderprogrammen gegenzusteuern. Auch die Studiengebühren spülen Millionen in die leeren Uni-Kassen. Doch das nächste Finanzloch steht schon vor der Tür.
- Deutsche Hochschulen: Chronische Unterfinanzierung
Die deutschen Hochschulen gelten als chronisch unterfinanziert. Zu wenig Professoren, zu viele Studenten, schlechte Ausstattung. Weil aus dem privaten Sektor zu wenig kommt, trägt der klamme Staat die finanzielle Hauptlast. Bund, Länder und Wirtschaft versuchen jetzt mit großen Förderprogrammen gegenzusteuern. Auch die Studiengebühren spülen Millionen in die leeren Uni-Kassen. Doch das nächste Finanzloch steht schon vor der Tür.
Trotz der Einführung von Studiengebühren werden die Hochschulen in Deutschland auch künftig vor allem vom Staat und anderen Geldgebern abhängig sein. Denn bei den meisten Einrichtungen machen die geplanten Einnahmen durch die Gebühren nur rund zehn Prozent des Gesamtetats aus. So rechnet die Universität Hamburg mit 20 bis 30 Millionen Euro pro Jahr aus den Geldbörsen der Studenten - bei einem Gesamtetat von rund 250 Millionen Euro. Bei der Universität Bonn sind die Dimensionen ähnlich. Hier werden bei einem Haushalt von zirka 300 Millionen Euro Gebühreneinnahmen von rund 20 Millionen Euro kalkuliert. Dadurch werden hier aber zugleich die freien Gelder im Etat, die noch nicht verplant sind, verdoppelt. Das soll Freiräume für zusätzliche Investitionen schaffen. In Bonn soll mit dem Geld etwa ein "Schlüsselqualifikationszentrum" geschaffen werden, in dem die Studenten zum Beispiel ihre Rhetorik verbessern können.
So sind zwar die Gesamteinnahmen aus den Gebühren insgesamt nicht so hoch, aber die Hochschulen können direkt zugreifen und autonom über die Gelder verfügen. So kann schneller als bisher ein neuer Dozent oder Tutor angestellt sowie neue Geräte beschafft werden. Das erhöht die Flexibilität und die Effizienz der Hochschulen.
Hochschulen: Am Tropf des Staates
Rund 30 Milliarden Euro geben die öffentlichen und privaten Hochschulen pro Jahr aus. Von diesen Geldern stammen zirka 60 Prozent vom Staat. Etwa 30 Prozent kommen aus Verwaltungseinnahmen. 2003 kassierten die Hochschulen aus dieser Quelle insgesamt 9,4 Milliarden Euro. Der restliche Anteil der Einnahmen besteht aus sogenannten Drittmitteln. Das sind Gelder, die von privaten oder staatlichen Institutionen für bestimmte Lehr- und Forschungsprojekte zur Verfügung gestellt werden. Aber auch hier spendiert der Staat den Löwenanteil. Von den 3,5 Milliarden Euro Drittmitteleinnahmen der Hochschulen im Jahr 2004 stammten eine Milliarde von der staatlich finanzierten Deutschen Forschungsgemeinschaft und 718 Millionen Euro direkt vom Bund.
Das meiste Geld nach Fächergruppen fließt dabei in die medizinischen Einrichtungen. 14,1 Milliarden Euro gingen 2004 dorthin. In weitem Abstand mit 3,4 Milliarden Euro folgten die Bereiche Mathematik und Naturwissenschaften und Ingenieurwissenschaften mit 2,7 Milliarden Euro. Der seit Jahren größte Posten ist mit rund 60 Prozent der Ausgaben das Personal. Etwa 30 Prozent machen die Verwaltungsausgaben aus. Nur rund drei Milliarden pro Jahr gehen in Baumaßnahmen und andere Investitionen.
Unterfinanzierte Unis – Auswege gesucht
Insgesamt sind die Hochschulen in der Bundesrepublik unterfinanziert. So wurden laut Deutschem Hochschulverband in den letzten zehn Jahren 1500 Professorenstellen abgebaut. Auch dem Hochschulbau stehen im Jahr 2006 laut Wissenschaftsrat nur 1,85 Milliarden Euro zur Verfügung - benötigt werden aber rund 2,9 Milliarden. So liegt Deutschland schließlich auch international mit der Finanzausstattung seiner Universitäten und Fachhochschulen zurück. Nur knapp 1,4 Prozent des Bruttoinlandsproduktes fließen aus öffentlichen und privaten Quellen in Einrichtungen. In den USA sind es über 2,5 Prozent, wobei die Hälfte der Gelder dort aus privaten Quellen kommt.
In Deutschland versucht man jetzt gegenzusteuern. So fließen durch das "Exzellenzprogramm" von Bund und Ländern von 2006 bis 2011 1,9 Milliarden für bestimmte Forschungsprojekte an die Hochschulen. Doch geburtenstarke Jahrgänge und die verkürzte Schulzeit in einigen Bundesländern sorgen für ein neues Problem. Bis 2010 drängen nach Prognosen 90 000 Studienanfänger zusätzlich an die Hochschulen. Die Kosten für die Versorgung der Studenten gehen in die Milliarden. Bund und Länder haben sich deshalb auf Grundlinien zu einem "Hochschulpakt 2020" geeinigt. Darin bietet der Bund an, die Hälfte der Kosten zu übernehmen. Insgesamt will er eine Milliarde Euro bereitstellen. Ob die Mittel ausreichen ist aber fraglich. Denn alleine für das Jahr 2013 rechnet die Hochschulrektorenkonferenz mit einem Mehrbedarf von 3,4 Milliarden Euro.
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