Die Herkunftsländer im Überblick

Wie viele Arbeitnehmer und Unternehmer aus den neuen EU-Staaten tatsächlich nach Deutschland kommen, hängt auch am Wohlstand und Wachstum in deren Heimat. Einige Länder holen nach der Wirtschaftskrise wieder deutlich Schwung. Hier können Sie sich selbst ein Bild von den neuen Mitgliedsstaaten machen.

  • Bulgarien

    Daten
    Einwohner: 7,5 Millionen
    Arbeitslosenquote: 2011 2012 (in Prozent) 9,1 8,0
    Wirtschaftswachstum: 2011 2012 (in Prozent) 2,6 3,8
    Wirtschaftsleistung pro Kopf: 10.801 Euro

    Perspektiven
    Das Land erholt sich im Vergleich zu vielen mittel- und osteuropäischen Staaten nur langsam von der Wirtschaftskrise. Man versucht Investoren aus dem Ausland mit den niedrigsten Löhnen in Europa und einer Einkommen- und Körperschaftsteuer von zehn Prozent zu locken. Angeblich wollen etliche chinesische Unternehmen über Bulgarien den europäischen Markt erschließen. 

  • Estland

    Daten
    Einwohner: 1,3 Millionen
    Arbeitslosenquote 2011 2012 (in Prozent) 15,1 13,6
    Wirtschaftswachstum 2011 2012 (in Prozent) 4,4 3,5
    Wirtschaftsleistung pro Kopf: 16.372 Euro

    Perspektive
    Mit zweistelligen Wachstumsraten wie nach dem EU-Beitritt 2004 wird der kleine Baltenstaat trotz Euro-Einführung zu Jahresbeginn in nächster Zeit nicht mehr auftrumpfen können. Die hohe Arbeitslosigkeit ist Folge des tiefen Absturzes in der Krise, auf den die Mitte-Rechts-Regierung mit harten Sparmaßnahmen und Gehaltskürzungen von bis zu 40 Prozent reagierte. 

  • Lettland

    Daten
    Einwohner: 2,2 Millionen
    Arbeitslosenquote 2011 2012 (in Prozent) 17,7 16,2
    Wirtschaftswachstum 2011 2012 (in Prozent) 3,3 4,0
    Wirtschaftsleistung pro Kopf: 12.354 Euro

    Perspektive
    Das Land hatte 2009 mit einem Minus von 18 Prozent beim Wirtschaftswachstum mit den größten Einbruch weltweit. EU und der Internationale Währungsfonds (IWF) mussten mit einem Notkredit von 7,5 Milliarden Euro helfen. Doch die Wirtschaft hat sich schneller als erwartet stabilisiert. Ein Wachstumsnachteil: Der Industriesektor hat nur einen Anteil von neun Prozent – der niedrigste Wert im baltischen Vergleich. 

  • Litauen

    Daten
    Einwohner: 3,3 Millionen
    Arbeitslosenquote 2011 2012 (in Prozent) 16,9 15,1
    Wirtschaftswachstum 2011 2012 (in Prozent) 2,8 3,2
    Wirtschaftsleistung pro Kopf: 13.607 Euro 

    Perspektiven
    Auch Litauen ist nach dem drastischen Einbruch 2009 auf einen moderaten Wachstumspfad zurückgekehrt. Das Land profitiert von seiner diversifizierten Wirtschaft gegenüber Estland und Lettland. Allerdings scheinen junge, qualifizierte Litauer im baltischen Vergleich am ehesten zum Auswandern bereit, was sich auch in der deutschen Statistik 2010 bei den EU-Arbeitserlaubnissen widerspiegelt. 

  • Polen

    Daten
    Einwohner: 38,2 Millionen
    Arbeitslosenquote 2011 2012 (in Prozent) 9,2 8,5
    Wirtschaftswachstum 2011 2012 (in Prozent) 3,9 4,2
    Wirtschaftsleistung pro Kopf: 16.008 Euro

    Perspektive
    Das mit Abstand bevölkerungsreichste neue EU-Mitgliedsland ist und bleibt der Tigerstaat Europas. Sogar in der Wirtschafts- und Finanzkrise ist Polen gewachsen. Die bevorstehende Fußball-Europameisterschaft 2012 hat einen Boom beim Bau von Infrastrukturprojekten ausgelöst. Experten halten einen Beitritt in die EU-Zone ab 2015 für realistisch. 

  • Rumänien

    Daten
    Einwohner: 21,4 Millionen
    Arbeitslosenquote 2011 2012 (in Prozent) 7,4 7,0
    Wirtschaftswachstum 2011 2012 (in Prozent) 1,5 3,8
    Wirtschaftsleistung pro Kopf: 11.090 Euro

    Perspektive
    Das Land kämpft weiter mit den Folgen der Wirtschafts- und Finanzkrise und wird wohl erst 2012 deutlicher wachsen. Für Milliarden-Hilfskredite von EU und Internationalem Währungsfonds (IWF) muss die Regierung ein drastisches Sparprogramm umsetzen, das zu Unmut in der Bevölkerung führt. Experten glauben, dass vor allem große Investitionsankündigungen im Energiebereich den Aufschwung stützen. 

  • Slowakei

    Daten
    Einwohner: 5,4 Millionen
    Arbeitslosenquote 2011 2012 (in Prozent) 14,2 13,4
    Wirtschaftswachstum 2011 2012 (in Prozent) 3,0 3,9
    Wirtschaftsleistung pro Kopf: 18.737 Euro

    Perspektive
    Die Slowakei bleibt auch nach der Krise auf ihrem Wachstumspfad. Schon jetzt sind in einigen Branchen Fachkräfte knapp und die Löhne steigen schnell an. Die dennoch hohe Arbeitslosenrate hat mit schleppenden strukturellen Reformen gerade auch im Bildungsbereich zu tun. Die bürgerliche Regierung mit Regierungschefin Iveta Radicova hat 2010 ein ambitioniertes innenpolitisches Programm vorgelegt. 

  • Slowenien

    Daten
    Einwohner: 2 Millionen
    Arbeitslosenquote 2011 2012 (in Prozent) 7,2 6,6
    Wirtschaftswachstum 2011 2012 (in Prozent) 1,9 2,6
    Wirtschaftsleistung pro Kopf: 22.082 Euro

    Perspektive
    Das Land profitiert von seinen traditionell exportstarken Industrieunternehmen, die wieder deutlich mehr Waren in die EU verkaufen. Einige wurden in der Krise allerdings von ausländischen Investoren übernommen. Der Aufschwung wird an Fahrt gewinnen, wenn der Privatkonsum und die Investitionen wie erwartet anziehen. Slowenien hat inzwischen beim Pro-Kopf-Einkommen ungefähr die Kaufkraft der neuen Bundesländer erreicht. 

  • Tschechien

    Daten
    Einwohner: 10,5 Millionen
    Arbeitslosenquote 2011 2012 (in Prozent) 7,0 6,7
    Wirtschaftswachstum 2011 2012 (in Prozent) 2,3 3,1
    Wirtschaftsleistung pro Kopf: 20.519 Euro

    Perspektive
    Deutschlands Nachbar im Südosten hat nach der Krise schneller als viele andere Staaten in Mittel- und Osteuropa wieder auf Wachstum geschaltet. Der Motor der Exportnation brummt. Die Industrieproduktion, die ein Drittel und damit den größten Teil der Volkswirtschaft ausmacht, wuchs bereits 2010 um mehr als fünf Prozent. Der Fachkräftemangel wird von hiesigen Unternehmen so laut beklagt wie in Deutschland. 

  • Ungarn

    Daten
    Einwohner: 10 Millionen
    Arbeitslosenquote 2011 2012 (in Prozent) 11,0 10,3
    Wirtschaftswachstum 2011 2012 (in Prozent) 2,8 3,2
    Wirtschaftsleistung pro Kopf: 16.038 Euro

    Perspektive
    Die Rückkehr zu alter Stärke ist für den Balkanstaat ein steiniger Weg. Die rechtsnationale Regierung will sich jetzt schnell aus der Abhängigkeit von gewährten IWF- und EU-Krediten lösen und legte im März 2011 einen Sparplan auf, der die Finanzmärkte noch nicht überzeugte und internationale Unternehmen wegen Sondersteuern ärgerte. Ab 2013 hofft das Land wieder auf Wachstumsraten von fünf Prozent. 

Legende

  1. Arbeitslosenquote nach internationaler Definition (ILO)
  2. Wirtschaftswachstum = Veränderung des realen Bruttoinlandprodukts gegenüber Vorjahr
  3. Wirtschaftsleistung pro Kopf = Bruttoinlandsprodukt je Einwohner unter Berücksichtigung von Kaufkraftunterschieden

Quelle: EU-Kommission, Eurostat, Germany Trade & Invest 

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