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Prof. Joseph Stiglitz "Eine neue Reserverwährung würde die globale Nachfrage anschieben

Der US-Ökonom und Nobelpreisträger des Jahres 2001, Joseph Stiglitz, im Interview mit "Global Viewpoint" über Fehler der US-Notenbank und die Idee eines Währungskorbes als globaler Reservewährung an Stelle des US-Dollars.

  • 1. Mai 2009

Die Zinspolitik der US-Notenbank Fed und nicht chinesische Investitionen in US-Staatsanleihen war nach Ansicht des Ökonomen Joseph Stiglitz der entscheidende Fehler, der zur Kreditkrise in den USA führte. “Die Fed hätte die Sätze anheben können, um der Spekulationsblase entgegenzuwirken, die durch die Kreditausweitung ausgelöst wurde", sagte Stiglitz. "Normalerweise ist ein Überfluss an Ersparnissen ein Segen, kein Problem. Billiges Geld zur Verfügung zu haben ist die Grundlage starken ökonomischen Wachstums. Der Fehler war, dass das amerikanische Finanzsystem nicht das tat, was es eigentlich tun soll - Risiko zu steuern und Kapital in produktive Wirtschaftsbereiche zu lenken. Wir haben diesen Segen im wahrsten Sinn vergeudet und zahlen dafür nun den Preis. Es ist absurd, den Chinesen die Schuld zu geben.”

Der Grund für das Bedürfnis Chinas nach hohen Dollarreserven liegt laut Stiglitz auch im Verhalten des Internationalen Währungsfonds IWF: “In einer globalisierten Wirtschaft besteht die größte Herausforderung darin, sicherzustellen, dass es eine angemessene Gesamtnachfrage gibt. Das ist schwierig zu erreichen, wenn Länder wie China das Gefühl haben, dass sie hohe Dollar-Reserven anhäufen müssen, um sich gegen starke Devisenkursschwankungen zu schützen.” Dies resultiere aus Fehlern des Internationalen Währungsfonds während der Asienkrise. “Wenn Staaten wissen, dass sie sich nicht auf die Hilfe des IWF verlassen können, sind eigene Devisenreserven das beste Schutzschild.”

Den Vorschlag Chinas, eine globale Reservewährung auf Basis eines Währungskorbes anstelle des US-Dollars einzuführen, nennt Stiglitz aus mehreren Gründen eine gute Idee. "Vor allem würde eine neue Reservewährung die globale Nachfrage anschieben, weil sie die Furcht vor Währungsschwankungen reduzieren würde", sagte Stiglitz. Durch eine Reservewährung in Form eines Währungskorbes würde das Währungsrisiko vermindert, was Stabilität und Vertrauen schaffen würde.

"Zu guter letzt gibt es da noch die Gerechtigkeitsfrage. Da bisher der Dollar die Reservewährung der Welt ist, kann dies dazu führen, dass die USA - vor allem in einem Abschwung, in dem Investoren vor allem Sicherheit sorgen - die Ersparnisse des Rests der Welt anziehen, selbst wenn die Zinssätze bei nahe Null liegen. Das wäre nicht der Fall, wenn es einen Währungskorb als Reservewährung gäbe.”

Dies wäre sogar im Interesse der USA, da es die amerikanische Volkswirtschaft von ihrer Finanzlastigkeit befreien könne, so Stiglitz. Zwar hätten die USA dann nicht mehr die Möglichkeit “sich vom Rest der Welt zu niedrigen Kosten Geld zu leihen”, doch die USA zahlten makroökonomisch ohnehin einen Preis für dieses billige Geld: “Die USA haben sich darauf verlegt, Staatsanleihen zu exportieren statt Automobile oder andere Waren. Die weltweite Nachfrage nach Dollars hat die weltweite Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen ersetzt, was multilaterale Handelsdefizite und einen Verlust von Arbeitsplätzen in den USA nach sich gezogen hat.”

Eine Machtverschiebung weg von den USA habe bereits während der Bush-Administration eingesetzt, als der Dollar sehr volatil wurde und sein Wert zu sinken begann. “Damals hielt China fast 100 Prozent seiner Reserven in Dollar, heute sind es nur noch 75 Prozent. Einige Länder haben sich vollkommen vom Greenback verabschiedet. Wie man es dreht und wendet, der Dollar hat seinen Status als einzige Reservewährung eingebüßt (...) Im Grund zeigt die Dynamik, die hinter der Idee einer neuen globalen Reservewährung steht, den Aufstieg der nichtamerikanischen Welt, allen voran China.”

Quelle: Global Viewpoint

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