Brain Gain
Brain Gain und Brain Drain
Die beiden englischen Begriffe „Brain Gain“ und „Brain Drain“ beschreiben Wanderungsbewegungen, die Spitzenkräfte von einem Ort, einer Region oder einem Land zum anderen machen – mit Folgen für sie selbst und ihre alte und neue Heimat. „Brain Gain“ ist der positive Fall, „Brain Drain“ der negative. Das wird schnell deutlich, wenn man sich die wörtliche Übersetzung klar macht: „Brain“ bedeutet wörtlich übersetzt: „Gehirn“, „Drain“ bedeutet Abfluss und „Gain“ Gewinn.
Der positive Fall
"Brain Gain" beschreibt folgende Situation: Ein Land kann die Wissenschafts- und Wirtschaftselite aus anderen Ländern anziehen. Das ist gut für die Migranten und gut für das Land, in das sie ziehen. Denn die Hochqualifizierten können sich in ihrer Wahlheimat besser entwickeln, sie können mehr verdienen, und für das Land sind sie zusätzliches Potenzial im Kampf um Spitzenpositionen im internationalen Wettbewerb.
Rahmenbedingungen
Brain Drain und Brain Gain gibt es nicht nur über Ländergrenzen hinweg, sondern er kann, je nach Definition und inhaltlichem Kontext, auch zwischen Regionen im selben Land oder sogar einzelnen Städten festgestellt werden. Grundsätzlich gilt: Ein einzelner Umzug macht noch keinen Brain Drain oder Brain Gain. Es geht immer um große Zahlen. Und die lassen sich durch die Politik beeinflussen. Regionen oder Länder, die auf „Gain“ und gegen „Drain“ setzen wollen, können viel dafür tun: Wissenschaft und Wirtschaft von überflüssiger Bürokratie befreien zum Beispiel, und die Einwanderungspolitik so gestalten, dass sich junge, hoch qualifizierte Forscher problemlos niederlassen können. Deutschland hat da noch großen Nachholbedarf.
Internationaler Vergleich
Laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln hat Deutschland im Wettbewerb der Industrieländer um kluge Köpfe momentan noch, salopp formuliert, eher schlechte Karten. So leben inzwischen über 880.000 Deutsche mit akademischer oder gleichwertiger Ausbildung in anderen OECD-Ländern – aber lediglich knapp 270.000 ähnlich gut Ausgebildete aus anderen OECD-Ländern in Deutschland. Beliebtestes Ziel für deutsche Spitzenkräfte sind die USA, gefolgt von Kanada, der Schweiz und Großbritannien. Wissenschaftler fühlen sich von den zwanglosen Forschungsbedingungen in den angelsächsischen Ländern angezogen, Manager lockt die Schweiz mit ihren geringen Abgaben. Allein gegenüber den USA ergibt sich ein rechnerischer Brain-Drain von knapp 330.000 Perso¬nen. Ein Hoffnungsschimmer kommt aus dem Osten: So leben hierzulande immerhin gut 100.000 Hochschulabsolventen aus Ex-Jugoslawien und der ehemaligen Sowjetunion.
(BW/ Stand: September 2009)
INSM
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