Hauptstadtforum am 7. Mai in Berlin Europa in der Schuldenfalle
Hauptstadtforum: Europa in der Schuldenfalle
Der frühere Finanzminister Dr. Theo Waigel, einer der Architekten des Euro, diskutierte auf dem Hauptstadtforum der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft und der Berliner Morgenpost mit Dr. Wolfgang Schüssel, früherer Bundeskanzler Österreichs, Dr. Thilo Sarrazin, Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank, und Dr. Walther Otremba, Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie.
- Datum
- 7. Mai 20092009-05-07T05:00:00
- Zeit
- 17:00 2009-05-07T05:00:00
- Ort
- Axel-Springer-Haus, Berlin

- Zoom
- © INSM / Mathias Wodrich
Was bei der Einführung des Euro Aufnahmebedingung in den Währungsverbund war, wird aktuell in vielen Ländern der Eurozone ignoriert: die Begrenzung der Neuverschuldung. Aus Angst vor den Folgen der Finanzkrise werden immer neue Bankenrettungs- und Konjunkturpakete geschnürt. Deren Finanzierung und die Folgen für die Staatshaushalte treten stark in den Hintergrund. Doch was bedeutet die massive Neuverschuldung? Ist gar der Euro in Gefahr?
Einig waren sich die hochrangigen Finanzpolitiker vor allem in ihrer Forderung einer sparsamen Haushaltspolitik nach der Krise. "Wir müssen schnellstmöglich wieder den Pfad der Konsolidierung einschlagen", sagte Waigel. “Die Probleme kommen, wenn wir aus der Krise herausgehen. Dann kommt die Konsolidierung. Und dann muss die Politik den Mut haben, zu sagen, dass es keine Verteilungsspielräume gibt”, sagte Waigel.
Auch der ehemalige Präsident der Deutschen Bundesbank und Vorsitzende des Kuratoriums der INSM, Hans Tietmeyer, unterstrich die Notwendigkeit einer rechtzeitigen Rückkehr zur Ausgabendisziplin. “Konjunkturpakete sind keine dauerhaften Geschenkpakete, wie die Bürger schon bald merken werden. "Korrekturen und größere Anpassungen" seien unumgänglich, sagte Tietmeyer. Er kritiserte, dass die Begrenzung der Neuverschuldung "in Zeiten der Finanzkrise und des Wahlkampfes allzu schnell in den Hintergrund zu treten" scheine.
"Übermäßige Schulden, ob Staats- oder private Schulden, können zur großen Gefahr werden. Dies zeigt uns die Finanzkrise - hat sie doch ihren Ursprung in der exzessiven Verschuldung in den USA, in verzerrten Wechselkursen und in der gewaltigen Liquiditätsschaffung weltweit genommen”, analysierte der frühere Bundesbankchef die Finanzkrise. Die Krise könne überwunden werden - aber nicht im Alleingang: “Die Soziale Marktwirtschaft ist lernfähig, aber auch lernbedürftig. Wir haben bereits begonnen, die Folgen der Finanzkrise, die ja als exzessive Verschuldungskrise in den USA begonnen hat, auch bei uns aufzufangen. Aber wir müssen auch Lehren für die Zukunft ziehen - und zwar bei uns, in Europa und weltweit”, sagte Tietmeyer.
“Es war richtig, die Bankenliquidität herbeizuführen. Aber man muss es zurückfahren", sagte auch der frühere Bundeskanzler Österreichs, Wolfgang Schüssel. "Niemand sollte unterschätzen, welche Wirkung eine exzessive Verschuldung hätte. Die Schuldenfalle wird entweder zu einer massiven Steuererhöhung führen, zu einer massiven Ausgabenkürzung oder zu einer massiven Inflation", befürchtete er.
Waigel mahnte globalen Handlungsbedarf an: "Ohne eine abgestimmte Aktion kommen wir aus der Krise nicht heraus. Es geht nur mit einer abgestimmten Aktion der großen Währungsräume.” Zugleich lobte er den Euro - ohne die Gemeinschaftswährung hätte die Krise Europa und Deutschland noch schwerer getroffen. “Ein neues Währungssystem, in dem der Euro eine Rolle spielt und in dem auch andere Währungen eine Rolle spielen, und das nicht mehr nur vom Dollar abhängt, das werden wir mit Sicherheit bekommen und das wird auch eine Folge dieser Krise sein”, sagte Waigel.
Waigel stellte der Europäischen Zentralbank ein gutes Zeugnis aus, forderte aber zugleich eine Neuordnung der Bankenaufsicht: “Es kann nicht sein, dass es in Deutschland zwei Stellen für die Bankenaufsicht gibt, die Bundesbank und die Bafin. Das gehört zusammengeführt”, sagte Waigel.
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Mit freundlicher Genehmigung von TV Berlin
INSM
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