IW-Modellrechnung: Ein Anstieg des Tarifgeltungsgrads von 50 auf 80 % in Deutschland steigert die Lohnquote nur um etwa 1,1 Prozentpunkte
Das Bundestariftreuegesetz zielt darauf ab, die Tarifgeltung auszuweiten. Theoretisch ist ein starker Einfluss auf die Lohnquote, dem Anteil des Arbeitnehmerentgelts am Volkseinkommen, jedoch wenig plausibel: Höhere Tariflöhne verteuern Arbeit und können langfristig durch Kapital ersetzt werden oder Rationalisierungen erzwingen. Der internationale Vergleich zeigt beim Tarifgeltungsgrad eine Spanne von fast 100 % (Frankreich) bis unter 1 % (Estland); Deutschland liegt bei rund 50 %. Die bereinigte Lohnlücke beträgt hierzulande nur etwa 5 %, da vor allem produktivere Firmen Tarifverträge nutzen. Ein Querschnittsvergleich bestätigt, dass kein enger Zusammenhang zur Lohnquote besteht. Laut einer IW-Modellrechnung für Deutschland würde ein Anstieg der Tarifgeltung von 50 auf 80 % die Lohnquote nur um etwa 1,1 Prozentpunkte steigern.
Quelle: Tarifgeltung und Lohnquote im internationalen Vergleich – Institut der deutschen Wirtschaft (IW)